19. Dezember

Die Nacht ist vorgedrungen,
der Tag ist nicht mehr fern!
So sei nun Lob gesungen
dem hellen Morgenstern!
Auch wer zur Nacht geweinet,
der stimme froh mit ein.
Der Morgenstern bescheinet
auch deine Angst und Pein.

Dem alle Engel dienen,
wird nun ein Kind und Knecht.
Gott selber ist erschienen
zur Sühne für sein Recht.
Wer schuldig ist auf Erden,
verhüll nicht mehr sein Haupt.
Er soll errettet werden,
wenn er dem Kinde glaubt.

3) Die Nacht ist schon im Schwinden,
macht euch zum Stalle auf!
Ihr sollt das Heil dort finden,
das aller Zeiten Lauf
von Anfang an verkündet,
seit eure Schuld geschah.
Nun hat sich euch verbündet,
den Gott selbst ausersah.

Noch manche Nacht wird fallen
auf Menschenleid und -schuld.
Doch wandert nun mit allen
der Stern der Gotteshuld.
Beglänzt von seinem Lichte,
hält euch kein Dunkel mehr,
von Gottes Angesichte
kam euch die Rettung her.

Gott will im Dunkel wohnen
und hat es doch erhellt.
Als wollte er belohnen,
so richtet er die Welt.
Der sich den Erdkreis baute,
der lässt den Sünder nicht.
Wer hier dem Sohn vertraute,
kommt dort aus dem Gericht.

Jochen Klepper

Jochen Klepper, der untröstliche Tröster. Diese Woche war sein 75. Todestag. Aus seiner Feder stammte nicht nur dieses Gedicht, sondern auch die Zeile:  Er wecket mich alle morgen, er wecket mir selbst das Ohr. Ein Satz der kaum mehr hoffnungsvolle Zärtlichkeit enthalten kann. Dennoch nimmt er sich zusammen mit seiner jüdischen Frau und seiner Tochter 1941 das Leben um der drohenden Deportation zu entkommen. So viel Hoffnung und so unermessliches Leid vereint, lassen einen auch 75 Jahre später sprachlos zurück. Daher bin ich dankbar, dass man sich Worte leihen kann und so gilt auch hier einmal mehr, Gott ist denen Nahe die zebrochenen Herzens sind (Psalm 34,18). Und dies gilt an Weihnachten ganz besonders.

Mira Ungewitter

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