Weihnachts-Klick 2009

Heiliger Abend 24. Dezember 2009

Persönliches zu Weihnachten aus dem Vorstand des ÖJR

Der Vorstand des Ökumenischen Jugendrats hat beschlossen, die Idee des Oster-Klicks auf die zweite heilige Zeit zu übertragen und auch für Weihnachten persönliche Berichte als Themen-Klick zu sammeln. Wieder stehen ganz konkrete Menschen hinter »dem Jugendrat«, die das Gemeinsame in der Vielfalt hervorstreichen.

Sylvia Berger

römisch-katholisch

Jedes zweite Jahr ist wirklich Weihnachten
Wenn ich bei meinen Eltern Weihnachten feiere verläuft der 24. eigentlich immer sehr ähnlich:

Am Vormittag wird der Christbaum von meinen Eltern geschmückt. Er ist 3,5m hoch. Ein Jahr haben wir probiert meinen Eltern dabei zu helfen … der Versuch endete in einem Familienstreit …

Mittlerweile hofft mein Vater, dass mein Mann und ich das Schmücken übernehmen, aber ich glaube, dass es ihm dann doch nicht so ganz recht wäre …

Zu Mittag gibt es dann eine Fischsuppe. Das ganze Jahr freuen wir uns schon auf dieses Fastenessen (vielleicht verdient es diese Bezeichnung gar nicht?!?!).

Um 14 Uhr wird das Licht von Bethlehem von Reitern auf den Hauptplatz gebracht. In den letzten Jahren war mein Vater einer dieser Reiter. Natürlich waren auch wir alle am Hauptplatz dabei, tranken einen Punsch und plauderten mit ein paar Freunden. Danach ging ich ins Pfarrheim und machte Punsch für nach der Mette.

Um 17 Uhr fuhr ich alleine in die Kirche zur Vesper (eines der Stundengebete, bei dem es u.a. eine kurze Lesung, einen Hymnus, Psalmen, ein Vater unser, Fürbitten, … gibt). Es ist immer sehr stimmungsvoll in der bereits geschmückten Kirche im Altarraum zu sitzen – im Halbdunkel.

Danach gibt es dann die Bescherung zu Hause mit der Verlesung der Weihnachtsgeschichte, einem Vater Unser und einem Ave Maria. Dann singen wir gemeinsam Stille Nacht – begleitet von einer Gruppe aus den 70er Jahren. Jedes Jahr rauscht die Aufnahme mehr, aber das ist normal bei Langspielplatten!!!

Danach wünschen wir uns alle frohe Weihnachten, stoßen mit einem Glas Sekt an und unsere Eltern nehmen Platz auf der Couch. Meine Schwester und ich verteilten dann die Geschenke, die zuvor mit Namenskarterln versehen unterm Christbaum lagen.

Dann gibt es Essen. Fixpunkt dabei ist der Hauptgang: Fisch

Manchmal spielen wir danach ein Spiel oder plauderen einfach nur. Um 22 Uhr gehen wir gemeinsam in die Mette. Manchmal blieben meine Eltern aber auch noch länger mit mir auf und wir gingen erst um 24 Uhr in die Kirche. Danach schenkte ich früher Punsch aus. Mittlerweile machen das andere, weil ich am nächsten Tag zeitig aufstehen muss und mein Mann und ich die Reise ins Burgenland zu seinen Eltern antreten.

Aber der oben beschriebene Ablauf trifft nur in jedem zweiten Jahr zu. Auch heuer werden wir im Burgenland den 24. Dezember verbringen. Mein Mann ist evangelisch A.B. und somit feiere ich Weihnachten nicht nur römisch-katholisch.

Tagsüber ist der 24. Dezember nicht anders als andere Tage. Da wir einen eigenen Wohnbereich haben, bekommen wir allfällige Hektik bei meinen Schwiegereltern auch nicht mit. Der Christbaum wird aber meist eh schon ein paar Tage vorher geschmückt. Da wir ab dem 25. nicht mehr im Burgenland sein werden, haben wir auch keinen eigenen Christbaum.

Um 17 Uhr gehen wir alle gemeinsam in die Kirche. Der Gottesdienst wird von verschiedenen Gruppen musikalisch gestaltet, wodurch er auf mich fast wie ein Konzert mit Bibellesungen wirkt.

Danach gehen wir zu meinen Schwiegereltern. Dort versammelt sich die ganze Familie (mein Mann hat zwei Geschwister) und isst gemeinsam geräucherte Würstel mit Kraut und Kartoffeln.

Erst danach gehen wir ins Wohnzimmer wo der Baum und die Geschenke warten. Jedes Geschenk wird einzeln aufgemacht und von allen angeschaut. Dazu gibt es Kekse. Danach sitzen wir noch gemütlich im Wohnzimmer (der einzige Tag im Jahr an dem wir nicht im Esszimmer sitzen) plaudern oder spielen mit Dennis – unserem Neffen.

Da mir persönlich bei der burgenländischen Variante ein Teil von Weihnachten fehlt, lege ich in diesen Jahren mehr Wert auf die Dinge rundherum. Es ist mir wichtig einen Adventkranz zu haben (auch wenn ich ihn heuer erstmals nicht selbst gesteckt habe), ich genieße die Liturgien am 25. und 26. Dezember – und freue mich, wenn wir meine Eltern für meinen Mann und mich extra zwei Portionen Fischsuppe für den 25. Dezember aufheben!

Martin Siegrist

evangelisch-methodistisch

Als ich noch jünger war, gab es einen ziemlich festen Ablauf zu Weihnachten: Am Heiligen Abend in Linz mit der ganzen Familie in die Christvesper, die immer mit Stille Nacht, Heilige Nacht bei Kerzenbeleuchtung endete.

Dann an den Attersee zu meiner Oma, deren schweizer Herkunft wir das Käsefondue verdankten, das bei uns zu fast allen festlichen Anlässen den Gaumen erfreute. Anschließend Zusammensitzen vor dem Weihnachtsbaum, Musizieren, Singen und die Lesung des Weihnachtsevangeliums durch meinen Vater.

Bei der Bescherung durften die Erwachsenen sitzen bleiben und die Kinder verteilten die Geschenke, die unter dem Baum lagen. Die Erwachsenen waren meistens froh, bald ins Bett zu kommen. Mein Bruder und ich freuten uns, dass wir so lange wir wollten mit den neuen Geschenken spielen durften.

Seitdem hat sich einiges verändert. Mein Bruder und ich sind erwachsen, mit den Geschenken kann man oft nicht mehr spielen und für mich ist die Art des Feierns zugunsten des Anlasses zurück getreten: Gott ist Mensch geworden. Wo Menschen sind, da ist auch Gott. Kein Ort auf der Welt – und sei dort noch so viel Leid – ist jetzt noch gottlos.

Die letzten Jahre habe ich mit der Familie meiner Freundin gefeiert. Am 24. gibt es tagsüber nur Suppe – es ist ja noch Fastenzeit. Nach der Vesper dann Bratwürstel mit Sauerkraut und Knödel. Typisch oberösterreichisch. Und so schön es ist, mit meiner Liebsten gemeinsam zu feiern und so gut die Bratwürstel auch schmecken: Das Käsefondue fehlt irgendwie …

Markus Muth

römisch-katholisch

Weihnachten: Alle Jahre wieder (anders)
Mein Weihnachten kennt Fixpunkte und Variablen.

  • Zu den Fixpunkten gehört immer die Suche nach geeigneten Geschenken – und ich beschenke gerne viele Leute. Wenn ich sie so langsam beisammen und in alte KJ-Plakate eingepackt habe, gehört natürlich noch ein Kärtchen geschrieben, auf dem mehr steht als das übliche an Weihnachtswünschen. Über die Weihnachtstage werden sie dann an den Mann oder die Frau gebracht.
  • Zu den Fixpunkten gehört auch, dass ich die Geschenke, die ich selber bekomme, auf meinem Couchtisch beim Adventkranz sammle und erst nach der Mette in aller Ruhe aufmache. (Wie ich das heuer machen werde, weiß ich noch nicht, da ich nicht zu Hause übernachten werde.)
  • Was auch noch fix ist, ist, dass ich keinen Christbaum habe, aber die Pflanzen in meinem Zimmer werden ein wenig weihnachtlich geschmückt und vor den Adventkranz kommt eine kleine Krippe aus Südamerika.
  • Was natürlich auch etwas Fixes ist, ist die Tatsache, dass ich für die Weihnachtsgottesdienste Predigten brauche, d.h. ich sitze einige Zeit über den jedes Jahr gleichen Bibelstellen und lasse sie auf mich wirken. Langsam entstehen dann erste Ideen, dann eine Gedankenordnung und schließlich das fertige Konzept, das auf einem „Kaszettel“ niedergeschrieben wird.
  • Fix ist auch, dass ich entweder am 25. oder am 26. Dezember meine Eltern und die Familie meines Bruders besuche. Dabei wird immer auch gesungen und gebetet und so eine kleine zweite Bescherung gemacht.
  • Variabel ist z.B. ob ich, bevor ich in die Pfarre fahre, in der ich den Weihnachtsgottesdienst feiern werde, noch mit meinen beiden Mitbrüdern (Pfarrer und Aushilfskaplan) und den Kleinen Schwestern (eine katholische Ordensgemeinschaft) gemeinsam bete und zu Abend esse. Die letzten drei Jahre war es so, heuer wird es sich nicht ausgehen.
  • Der Grund dafür ist die zweite Variabel: Als Priester, der keine eigene Pfarre hat, bin ich immer aushelfen, und so feiere ich heuer bereits um 20 Uhr die erste Mette in Limberg und um 22 Uhr die zweite in Maissau. Ich kenne diese Pfarren nicht besonders gut, abgesehen von dem früheren, vor zwei Jahren verstorbenen Pfarrer. Er war einer der Beichtpriester, die uns zur Auswahl standen in meiner Kindheit im Kleinen Seminar in Hollabrunn (ein kirchliches Internat).
  • Neu ist heuer, wie schon oben gesagt, dass ich von 24. auf 25. Dezember nicht zu Hause übernachten werde, da ich gleich in Maissau bleibe, um am 25. Dezember die beiden Vormittagsmessen zu feiern.

Was aber das allerfixeste ist im Weihnachtsgeschehen, ist, dass Gott in Jesus Christus Mensch geworden ist. Um dieses Geheimnis unseres Glaubens zu betrachten, gehe ich während der ganzen Weihnachtszeit am Ende einer Messe immer zur Krippe, um dort anbetend niederzuknien und einfach nur hinzuschauen auf dieses besondere Kind und mich von ihm anschauen zu lassen.

Otto Kromer

römisch-katholisch

Herbergssuche
Weihnachten ist beunruhigend. Für mich zumindest. Widersprüche zwischen Hoffnungen und Realitäten könnten nicht größer sein. Ich bin meist recht froh, wenn die Feiertage wieder vorbei sind. Die Beunruhigungen bleiben ohnedies noch eine Zeit lang.

Es fängt bei den Geschenken an. Ob ich es will oder nicht, muss ich mir in den Straßen unserer Stadt den Weg durch die Mengen der hektisch umherlaufenden ZeitgenossInnen bahnen, wissend, dass irgendwo versteckt alle anderen sind, die kein Geld zum Ausgeben haben und deren Weihnachtsabend so gar nicht dem Klischee der warmen Stube mit dem funkelnden Christbaumschmuck und dem duftenden Weihnachtsbraten entsprechen wird.

Weihnachten – das Licht in kalter, finsterer Zeit? Ja, es wird heuer wieder kalt werden und wahrscheinlich gibt es auch ein wenig Schnee in der Stadt. Idyllisch für die einen, die eine warme Jacke ihr eigen nennen können, kritisch für die anderen, die kein Dach über ihrem Kopf haben. Natürlich geben alle möglichen caritativen Organisationen dieser Tage ihr Bestes – aber die bittere Frage bleibt, warum eines der reichsten Länder der Welt keine Umverteilung unter seiner Bevölkerung schafft? Warum es auch bei uns die Kluft zwischen arm und reich gibt, scheinbar geben muss, und diese Kluft Jahr für Jahr breiter und tiefer wird …

Im Radio berichten sie über die neuesten Integrationsmaßnahmen, über die sich unsere Regierung gerade zu einigen bemüht. Quintessenz: Es wird für ZuwanderInnen noch schwerer als bisher, in unserem reichen Österreich Fuß zu fassen. Luken zu und Schoten dicht? Und das just zu Weihnachten, wo wir rundum mit Hingabe bemüht sind, die Herbergssuche einer Familie aus der Fremde mit idyllischen Stallbildern zu behübschen.

Weihnachten sollte abgeschafft werden. Die Erinnerung an arme Leute, die nichts haben und nirgendwo Aufnahme finden – und dann auch noch ein Kind zur Welt bringen (müssen?), diese Erinnerung ist ein Ärgernis! Sie stört unser Harmoniebedürfnis und kratzt an unseren Wertvorstellungen. Die Welt gehört uns nicht, auch Österreich ist nicht das Eigentum der hier lebenden Frauen und Männer. Wir haben das alles nur zum guten Gebrauch für die Zeit unseres Lebens überantwortet bekommen – und wenn wir sterben, müssen wir ohnedies alles zurücklassen. Möglicherweise werden wir dann noch gefragt, wie wir mit unserer Verantwortung umgegangen sind: Mit unserer Verantwortung für die Natur, mit unserer Verantwortung für das Miteinander der Menschen, mit unserer Verantwortung für das Leid und die Not unseres Nächsten.

Weihnachten gibt ein wenig den Vorgeschmack auf diese möglicherweise blamable Bilanzierung. Deshalb bin ich beunruhigt. Vielleicht bist Du es jetzt auch, die/der Du gerade diese Zeilen gelesen hast. Das ist ganz gut so. Unruhe schafft Bewegung. Und Bewegung ermöglicht Veränderung. Also tun wir was! Jede und jeder für sich – und auch alle miteinander. Sozialhilfe im Einzelfall ist gut – Sozialpolitik für eine gerechte Gesellschaft ist ein Gebot der Stunde.