Sonntag, 10. Juni 2007

Jesus betete einmal in der Einsamkeit, und die Jünger waren bei ihm. Da fragte er sie: Für wen halten mich die Leute? 19Sie antworteten: Einige für Johannes den Täufer, andere für Elija; wieder andere sagen: Einer der alten Propheten ist auferstanden. 20Da sagte er zu ihnen: Ihr aber, für wen haltet ihr mich? Petrus antwortete: Für den Messias Gottes. 21Doch er verbot ihnen streng, es jemand weiterzusagen. 22Und er fügte hinzu: Der Menschensohn muss vieles erleiden und von den Ältesten, den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten verworfen werden; er wird getötet werden, aber am dritten Tag wird er auferstehen. 23Zu allen sagte er: Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme täglich sein Kreuz auf sich und folge mir nach. 24Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, der wird es retten.

Gedanken zum Text

Nachdem Jesus die zwölf Apostel geschickt hatte um von Dorf zu Dorf zu gehen, das Evangelium zu predigen und die Kranken gesund zu machen, kehren sie zurück in die Wüste zu ihm. Ihnen folgten etwa fünftausend Menschen, die Jesus durch die wundersame Vermehrung des mageren Mahles von fünf Broten und zwei Fischen verköstigt. Danach zog er sich zurück und betete bis die Jünger kamen. Er fragte sie, was die Menschen glauben würden, wer er sei. Doch die Meinung war geteilt. Dann fragte er die Jünger, was sie glauben würden, wer er sei und Petrus antwortete, dass er der Christus Gottes sei. Ihnen wurde verboten, dies weiterzuerzählen, er erklärte, dass der Menschensohn viel erdulden müsse und weist darauf hin, dass er am dritten Tage auferstehen werde. Außerdem mahnte er, dass nur die im folgen könnten, die sich selbst verleugnen und täglich ihr Kreuz auf sich nehmen würden, denn nur der, der sein Leben um seinetwillen verlieren würde, könnte es erhalten.

Wer ist Jesus? Gibt es ihn wirklich? Wo ist er? Wieso ist er nicht hier? Warum an ihn glauben? Das sind die entscheidenden Fragen der Kinder und der Jugendlichen, die in die Kirche gehen oder die aufgrund der scheinbaren Nicht-Beantwortbarkeit all dieser Fragestellungen, der Kirche den Rücken zuwenden. Wer ist Gott? Wer ist Jesus, Gottes Sohn? Es gibt unterschiedliche Meinungen darüber, nicht nur heute, sondern auch schon damals. Die Menschen glauben, dass er Johannes der Täufer, Elia oder einer der alten Propheten sei, der wieder auferstanden ist. Da nur die Jünger wissen, wer er wirklich ist und sogleich auch zum Schweigen verpflichtet werden, ist klar, dass man damals wie heute kein einheitliches Bild von dem großen Wohltäter hatte.

In der Bibelstelle kann man aber auch sehen, dass Jesus selbst wusste, dass der Mensch viel erleiden muss. Wir sind täglich überhäuft mit Problemen, sind im Stress, hetzen von einem Termin zum anderen. Es bleibt kaum Zeit für sich selbst, kaum Freiraum zum Nachdenken, kaum ein Moment, in dem wir nicht mit irgendetwas anderem beschäftigt sind. Und dennoch sagt Jesus, dass der, der ihm nachfolgen will, sein Kreuz auf sich nehmen muss. Können wir das nicht für die heutige Zeit so umlegen, dass damit vielleicht die vielen Anforderungen gemeint sein könnten, mit denen wir täglich konfrontiert werden und denen wir täglich fertig werden müssen? Sind damit nicht Verantwortung und Probleme gemeint, deren Last auf unseren Schultern ruht? Und dennoch stellt Jesus schon damals die Frage, welchen Nutzen der Mensch hätte, wenn er zwar die Welt gewinnen würde, sich aber selbst verlieren oder Schaden nehmen würde. Dies ist der Hinweis, sich nicht zu übernehmen. Wie ist das möglich heutzutage? Können wir uns denn eine Minute Ruhe gönnen? Ist es möglich, einmal kurz abzuschalten? Können wir uns das in der heutigen Zeit wirklich gönnen? Ich denke schon, denn wenn wir das nicht tun, werden wir irgendwann zu Grunde gehen, irgendwann einmal keine Kraft mehr haben, irgendwann nicht mehr das Wesentliche sehen, irgendwann nicht mehr wissen wer wir sind. Wir sollten uns die Zeit nehmen, kurz zur Ruhe kommen. Wir müssen viel Leiden, viele Probleme und Lasten ertragen, aber wir sollten niemals Schaden an uns selbst nehmen.

Methodisch-didaktische Hinweise

Sich hinsetzen, abschalten, in Ruhe überlegen. Eine Gruppe oder alleine, mit Kerzen oder auch ohne, sich gehen lassen. Den Alltag für einen Moment außer Acht lassen. Sich auf das Wesentliche konzentrieren. Dies alles kann im Rahmen einer Meditation geschehen. Verschiedene Themen werden bearbeitet, mit meditativer Musik, die selbst dazu gespielt und gesungen wird. Das Zusammensitzen soll Kraft bringen. Zwar ist es eine Gruppe, dennoch werden nur Teile miteinander gemacht, Überlegungen werden ausgetauscht und toleriert. Gedankengänge werden ausgesprochen oder aufgeschrieben.

Um Probleme nicht offen sagen zu müssen, werden Zetteln geschrieben und dann gemeinsam verbrannt. Dies stärkt die Gemeinschaft, denn man erkennt, dass jeder Probleme hat, denen er vielleicht nicht gewachsen ist. Dies ist eine einfache Möglichkeit um eine Gemeinschaft zu bilden, füreinander da zu sein und neue Kraft zu schöpfen um sein Kreuz täglich auf sich zu nehmen und sich selbst in dieser hastigen Zeit nicht zu verlieren.

Autorin

Sylvia Pilar von der Altkatholischen Jugend ist Vorsitzende der Internationalen Altkatholischen Jugend (IAKJ).

Erstveröffentlichung Sonntag, 20. Juni 2004