Oster-Klick 2009

Ostersonntag 12. April 2009

Persönliche Osterberichte aus dem Vorstand des ÖJR

Der Vorstand des Ökumenischen Jugendrats hat für Ostern beschlossen, ganz persönliche Osterberichte als Themen-Klick zu sammeln. Sie zeigen, dass ganz konkrete Menschen hinter »dem Jugendrat« stehen, die das Gemeinsame in der Vielfalt hervorstreichen.

Sylvia Berger

römisch-katholisch

Die Osterwoche dauert für mich ja eigentlich 8 Tage! Am Palmsonntag gibt es in meiner Pfarre eine kleine Prozession, bei der auch die mitgebrachten Osterbuschen (Palmkätzchen mit ein bisschen Grünzeug und violetten Bändern) gesegnet werden. Da ich in den letzten Jahren mit ein paar Freunden von „Palmsamstag“ bis „Karmittwoch“ in Österreich unterwegs bin, habe ich zB in der Steiermark eine andere Variante des Osterbuschen kennengelernt: ganze Birken, die mit Bändern geschmückt von Männern getragen werden – aber nicht nur einer pro Ort sondern scheinbar einer pro Haushalt (mit Garten?)!

Die eigentliche Karwoche beginnt dann am Gründonnerstag. In meiner Pfarre gibt es mehrere Gottesdienste, wobei ich den am späten Abend bevorzuge. Dort gibt es keine Fußwaschung (der Pfarrgemeinderäte) sondern eine Handwaschung für alle Mitfeiernden. Beim ersten Mal war es ein komisches Gefühl die Hände gewaschen zu bekommen, aber mittlerweile gehört es für mich einfach dazu. Gefeiert wird das letzte Abendmahl. Anschließend wird die Kirche ausgeräumt (in eine kleine Kapelle), d.h. das Allerheiligste, alle Kerzen, das Altartuch … einfach alles was im Altarraum sonst ist, wird weggetragen.

Mit dem Karfreitag beginnen auch die vermehrten Stundengebete. Es gibt 5 Gebetszeiten von in der Früh bis in die Nacht. Während des Jahres wird jeden Samstag in der Früh die so genannte Laudes in meiner Pfarre gebetet, zu Weihnachten auch die Vesper (17 Uhr) und zu Ostern auch die Terz (9 Uhr), Sext (11 Uhr), Komplet (21 Uhr) und Matutin (Mitternacht). Teilweise werden diese Gebete gesprochen, teilweise aber auch gesungen.

Am Abend des Karfreitages findet die Kreuzverehrung statt. Dazu nimmt man bei uns Blumen mit, die man bei einem kurzen Gebet vor dem Kreuz niederlegt. Aus diesen Blumen entsteht der Schmuck für die Auferstehungsfeier. Am Karfreitag hören wir zum zweiten Mal (wie am Palmsonntag) die Passionsgeschichte in verteilten Rollen gelesen.

Da die Glocken und die Orgel verstummen, gehen die Ratscher durch die Ortschaft und verkünden wie spät es in etwa gerade ist.

Der Karsamstag ist ein ruhiger Tag. In vielen Pfarren wird am Abend die Auferstehungsfeier abgehalten. In meiner Pfarre gibt es auch die Möglichkeit erst am Sonntagmorgen (um 5 Uhr!) zu feiern. Besonders schön ist es, wenn die aufgehende Sonne durch das Glasmosaik hinter dem Altar scheint – zuerst ganz wenig und irgendwann sieht man die volle Pracht. Dieser Gottesdienst wird auch rhythmisch gestaltet. Mein Lieblingslied (ich habe viele Jahre aktiv mitgestaltet) war das Miriam-Lied – leider wird es in den letzten 2 Jahren von einem Chor gesungen … aber das ist eine andere Geschichte.

Am Montag gibt es – zumindest im Weinviertel – noch einen schönen Brauch. Neben dem eher bekannten Emmausgang (Spaziergang mit der Familie, Freunden, …) gibt es in den Kellergassen die Grean. Ursprünglich wurden diejenigen in den Keller eingeladen, die im Herbst bei der Weinlese mitgeholfen haben. Heute hat sich das ganze zu einer Art Tag der offenen Kellertür entwickelt. Es gibt ein Glas Wein, Reste des Osterg’selchten, Eier, Gurkerl – und was sich sonst noch so findet.

Martin Siegrist

evangelisch-methodistisch

Ich komme aus der evangelisch-methodistischen Kirche, einer weltweit großen, aber in Österreich sehr kleinen Kirche. In unseren Gemeinden ist es nicht üblich am Gründonnerstag und Karsamstag Gottesdienste zu feiern. Es kämen zu wenig Gemeindeglieder. Da und dort gibt es Andachten an diesen Tagen. In meiner Kindheit war das aber in meinen Heimatgemeinden (mit 14 Jahren bin ich von Floridsdorf nach Linz übersiedelt) nie der Fall. Lediglich am Karfreitag gibt es bei uns in gut-protestantischer Tradition Gottesdienste. Ebenfalls in gut-protestantischer Manier oft sehr nüchtern. Viel für den Kopf. Wenig für den Rest des Menschen.

Eine ganz andere Form, sich auf Ostern vorzubereiten, habe ich durch meine römisch-katholische Freundin kennen gelernt. In ihrer Familie ist es üblich am Gründonnerstag, Karfreitag, Karsamstag und Ostersonntag Gottesdienst zu feiern. Dabei gibt es viel zu sehen, zu spüren, zu riechen, zu erleben. Das verhüllte Kreuz und den leeren Altar. Weihrauch und Weihwasser. Für mich eine fremde Welt; aber eine große Bereicherung für das bewusste Erleben der Osterzeit.

Die letzten Jahre waren wir daher manchmal hier und manchmal da. Karsamstag in der Nacht zur Auferstehungsfeier in der Gemeinde meiner Freundin mit anschließendem Osterfeuer. Am nächsten Morgen um 5 Uhr zum Osterfeuer und zur Morgenandacht in meiner Gemeinde. Meine Freundin singt hier seit einigen Jahren das Exsultet, das Osterlob, das seit der alten Kirche in dieser Nacht gesungen wird; ein besonderer Genuss für die Ohren und die Seele. Anschließend an die Andacht gibt es in meiner Gemeinde in Linz ein großes Osterfrühstück. Jede und jeder bringt etwas mit. Alle werden satt, auch wenn sie nichts gebracht haben. Im gemeinsamen Mahl kann man die Osterfreude richtig schmecken. Zum Ostergottesdienst sind wir dann wieder da oder dort.

Die beiden Traditionen ergänzen einander in vielem und bereichern daher jedes Jahr mein Ostern. Es ist schön für mich, dass die Auferstehung Christi unsere Kirchen so für mich ganz persönlich verbindet.

Markus Muth

römisch-katholisch

Als Bundesjugendseelsorger habe ich ja keine eigene Pfarre, aber in der Zeit von Palmsonntag bis Ostersonntag schon: Sollenau (bei Wr. Neustadt). Seit sechs Jahren helfe ich dem dortigen Pfarrer aus, der selber in seiner zweiten Pfarre die ganze Liturgie feiert. Es ist ein All-inclusive-Angebot, was heißt, dass ich nicht nur die Liturgien, sondern auch die Ministrantenproben, Beichtzeiten, … habe.

Der Palmsonntag beginnt im geräumigen Pfarrgarten mit dem üblichen Wortgottesdienst. Dabei werden die Palmzweige gesegnet, und wir ziehen dann über die B17 zur Kirche. Dort klopfen die Kinder dann immer an die verschlossene Kirchentür – ein Symbol dafür, dass Jesus auch bei uns anklopft und Einzug halten will. Bei der weiteren Feier gibt es dann noch eine Kinderpredigt.

Am Karmontag ist im Stephansdom die so genannte Chrisammesse, wo der Herr Kardinal die heiligen Öle weiht (das Öl für die Taufbewerber(innen), das Chrisamöl für die Täuflinge, Firmlinge, Priester- und Bischofsweihen und das Öl für die Kranken). Bei dieser Gelegenheit erneuern die anwesenden Priester – und das sind viele – ihre Versprechen, die sie bei der Priesterweihe abgelegt haben. Für mich ist das ein gute Tradition, da dabei zu sein, denn einmal im Jahr bewusst »Ja« zu sagen zu seinen Versprechen tut gut und gibt einem einen Ruck, sie wieder ernster zu leben.

Am Karmittwoch werde ich ein paar Beichten, Krankensalbungen und Krankenkom-munionen feiern – in ganz unterschiedlichen Mischungen.

Am Gründonnerstag feiere ich in Sollenau den Abendmahlsgottesdienst – allerdings nicht mit Fußwaschung, sondern mit einer Meditation darüber. Dazu gibt es die so genannten Dienstzettel, wo Leute Aufgaben in der Gemeinde angeboten bekommen und sich dazu auf ein (weiteres) Jahr verpflichten können. Im Anschluss an die Feier ist die Ölbergandacht.

Am Karfreitag ist um 14.30 Uhr Kreuzweg. Mit ca. 25 Kindern gehe ich immer durch die Kirche mit einer Taschenlampe bewaffnet. Sie beleuchten damit für die anderen Kinder abwechselnd die etwas dunklen Kreuzwegbilder. Die Erwachsenen beten einstweilen aus einem Heft. Um 19.00 Uhr ist dann die Karfreitagsliturgie. An diesem Tag wird ja in der katholischen Kirche keine Eucharistie gefeiert, und in Sollenau speziell ist auch keine Kommunionfeier. Dafür wird heuer die Passion gesungen, dann ist die ausführliche Kreuzverehrung mit Blumen, dann die Großen Fürbitten und die Grablegung.

Am Karsamtag ist vor allem Gebet beim Heiligen Grab und viel Gelegenheit für Beichte und Aussprache (5 Stunden).

In der Nacht auf Sonntag ist von 21.00-00.00 Uhr die Feier der Osternacht, beginnend mit der Lichtfeier, dann dem Osterlob, dem langen Wortgottesdienst, dem Osterhalleluja, der Tauferneuerung, dem Eucharistieteil, der Speisensegnung und einem Osterfeuer im Freien. Eine Besonderheit habe ich heuer dabei: Nach der Predigt werde ich zwei junge Erwachsene taufen und firmen. Darauf freue ich mich ganz besonders, denn, obwohl ich für die Vorbereitung von Erwachsenen auf die Eingliederung in die Kirche in der Erzdiözese Wien mitverantwortlich bin und darüber auch meine Diplomarbeit geschrieben habe, habe ich selber noch nie Erwachsene getauft. Jede(n), der/die das liest, lade ich hiermit auch ein, für die beiden zu beten, denn sie haben es nicht immer so leicht im Leben.

Am Ostersonntag bin ich dann in der andere Gemeinde (Siedlung Maria Theresia), die der Ortspfarrer die ganze Karwoche über betreut hat, d.h. wir tauschen Gemeinden. Das ist in einer kleinen, aber sehr sympathischen Kirche mit viel natürlichem Licht, was gut zu Ostern passt. Am Ostermontag bin ich dann in meiner Wohnpfarre im Einsatz: 8.00 Uhr hl. Messe mit der Gemeinde, 9.00 Uhr Emmausgang nach Heiligenkreuz und dort abschließende Messe mit den Leuten, die da mitgegangen sind.

Insgesamt werden die Tage wieder intensiv, aber ich freue mich schon darauf, denn trotz allem Vorbereiten und Proben habe ich selber ganz viel von den Feiern. Es ist also auch für mich Ostern.

Esther Scheuchl

evangelisch A.B.

Palmsonntag

In meiner Familie beginnen die Osterfeierlichkeiten eigentlich mit dem Palmsonntag. Wahrscheinlich deswegen, weil spätestens dann alle Familienmitglieder schul- oder arbeitsfrei haben und zu Hause sein können. Nach dem gemeinsamen Gottesdienstbesuch wird der Beginn der Ferien normalerweise mit einer Torte gefeiert …

Gründonnerstag

Am Gründonnerstag gibt’s zu Mittag natürlich Spinat! Meist wird der Donnerstag zum Familienausflugstag ausgerufen, wenn das Wetter schön ist, wird gemeinsam etwas unternommen, am Abend wird, soweit möglich, auf den Fernseher verzichtet und Brettspiele gespielt. Auch wird an diesem Tag groß eingekauft, da wir am Karfreitag nur im Notfall in ein Geschäft gehen wollen. Außerdem werden spätestens an diesem Tag die Eier gefärbt. Am Abend findet ein Abendmahlsgottesdienst in unserer Kirche statt.

Karfreitag

Am Morgen gehen zumindest die „Erwachsenen“ in unserer Familie in den Gottesdienst. Mein Vater ist katholisch geprägt und achtet daher sehr genau darauf, dass am Freitag und Samstag kein Fleisch gegessen wird. Daher gibt’s meist eine große Käseplatte und vegetarische Gerichte. Der ganze Tag ist eher besinnlich gestaltet, die Familie bleibt zusammen, am Nachmittag gehen wir gemeinsam in die Karfreitagsandacht und die Tischgebete vor den gemeinsamen Mahlzeiten sind etwas länger als sonst. Den kleineren Kindern wird erklärt, warum dieser Tag so besonders für uns Christen ist …

Karsamstag

Da am Karfreitag morgen Gottesdienst ist und es daher zeitlich nicht möglich ist die traditionellen Pofesen zu machen, besteht bei uns die langjährige Tradition, dass ich als die älteste Enkelin am Samstag morgen zu meiner Großmutter fahre und gemeinsam mit meiner Tante backen wir dann für mehr als 15 Personen den ganzen Vormittag die traditionelle Fastenspeise….. Am Abend findet ein Jugendgottesdienst statt, dieses Jahr zum Thema Rolling Stone. Meine Schwester und ich sind meist in den Vorbereitungen involviert und haben so den ganzen Abend lang zu tun.

Ostersonntag

Zum Frühstück begrüßen wir uns mit dem traditionellen Ostergruß: »Der Herr ist auferstanden« – »Er ist wahrhaftig auferstanden!.« Beim Frühstück wird natürlich Eier gepeckt. Nach dem Auferstehungsgottesdienst und dem Mittagessen fährt die gesamte Familie zu den Großeltern. Da ich die Älteste bin und meine jüngeren Geschwister ein Osternesterl gefüllt mit allerlei Schokolade und einem Osterlamm (= lammförmiger Kuchen) bekommen, bekomme ich gerechterweise auch noch eins. ;-D. Nachdem wir „Kinder“, gemeinsam mit unseren Cousins alle Nesterl im Garten und im Haus gesucht und gefunden haben, gibt es eine Osterjause mit noch mehr Eiern …

Ostermontag

Wer noch nicht genug Gottesdienste besucht hat, geht am Morgen zum letzten Gottesdienst der Osterwoche. Der Tag wird auch noch als gemeinsame Familienzeit genützt, bevor am Dienstag dann wieder die Arbeit beginnt, der letzte Ferientag zur Vorbereitung benützt wird, oder abgereist wird.. Wir gehen mit Verwandten gemeinsam Essen, bekommen Besuch von alten Bekannten und genießen den Tag.