Lukas 23, 33-43

Gedanken zum Text

Die Leidensgeschichte Jesu Christus gehört wohl zu den essenziellsten Bestandteilen der christlichen Liturgie. Jedes Jahr soll sie uns daran erinnern, dass Jesus für uns gekämpft hat, für uns gestorben und wiederauferstanden ist und in der Gemeinschaft aller Christ(inn)en weiterleben wird.

Das heutige Evangelium zum Christkönigstag beschreibt eine der vielen Stationen auf dem Leidensweg Jesu Christi: Er hängt zwischen zwei Verbrechern auf dem Kreuz, wird verhöhnt und seine Ehre wird in den Schmutz gezogen. Nur einer der zwei neben ihm Hängenden erkennt zu Recht, dass Jesus unschuldig ist.

Doch viel tiefergehend als jene Erkenntnis, dass Jesus zu Unrecht und doch für uns unter Hohn, Spott und Qualen am Kreuz gestorben ist, ist der Realitätsbezug dieser Textstelle. Sie verweist auf den uns allen bekannten Moment, in dem wir Hilfe benötigen, in dem wir mit unserem Wissen, unseren Fähigkeiten und unseren Kräften am Ende sind. Zugleich wird hier auch ersichtlich, wie Menschen mit jenen Situationen umgehen: Bestenfalls sehen sie weg, schlimmstenfalls machen sie sich über die hilfesuchende Person lustig, verspotten oder beschimpfen sie. Dieses Wegsehen von der Hilfebedürftigkeit ist in unserer Gesellschaft schon fast alltäglich. Mit den Worten »… dann hilf dir selbst!« (Lk 23,37) werden hilfsbedürftige Menschen alleine gelassen, obwohl sie unter Umständen sogar den Mut aufgebracht haben, andere um Hilfe zu bitten.

Doch das Moment der Hilfeleistung und des Hilfebedarfs ist viel essenzieller in den unscheinbaren Situationen des Lebens: Wenn man einer medizinischen Erstversorgung bedarf, wenn Gegenstände unerreichbar sind, wenn Kleinigkeiten zu einer Hürde des Alltags werden, die aber trotz allem eben mit Hilfe anderer überwunden werden können. Wir kennen diese Situation, aber sind wir denn auch dankbar wenn uns geholfen wird? Sind wir uns dessen bewusst? Wie oft sind wir hilflos und fühlen uns alleine gelassen in unsererNot? Oder: Helfen wir denn auch? Sehen wir weg oder machen wir die Augen auf und helfen, soweit wir dazu fähig sind?

Vermutlich stellen diese Überlegungen den Schnittpunkt zwischen der biblischen Erzählung des Leidensweges Jesu Christi und dem alltäglichen Leben 2000 Jahre nach ihm aus: Selbst heute (oder auch gerade heute!), in einer Zeit der Modernität, werden Probleme nicht gesehen, übersehen oder geradezu darüber hinweggesehen. Die Frage ob jeder etwas verändern kann, muss definitiv mit „ja“ beantwortet werden: Hinsehen, hingehen, helfen. DAS sollte unsere Devise und unser christliches Credo sein. Jeder noch so kleine Schritt ist wichtig, ganz gleich ob mit Gesten oder mit aktivem Tun geholfen wird. Dies sollte nicht nur auf jene Tage vor Weihnachten beschränkt sein, die nun bald anbrechen und die Zeit der Liebe darstellen. Jeden einzelnen Tag bedürfen andere unserer Hilfe, weil sie selbst nicht mehr weiterwissen oder weiterkönnen. Jeden Tag bedürfen aber auch wir der Hilfe unserer Mitmenschen.

Jesus wurde auf der letzten Station seines Leidensweges nicht geholfen. Er starb unschuldig am Kreuz zwischen zwei Verbrechern. Er war in diesen Stunden zwar nicht ganz alleine, aber diejenigen, von denen er Hilfe erwartete, hatten ihn verlassen. Auch an dieser Stelle lässt sich eine eindeutige, chistliche wie moralische Botschaft herauslesen und die Bibelstelle aus dem Lukas-Evangelium auf die heutige Zeit umlegen: Menschen, denen nicht geholfen wird, könnten verloren sein in ihrer Situation, in ihrem Alltag oder auf ihrem Weg, denn viele von ihnen geraten scheinbar schuldlose in ihre Not (»…dieser hat nichts Unrechtes getan«, Lk. 23, 41). Aber auch anderen Menschen in Not sollte geholfen werden. Denn Jesus, so zeigt uns die Bibelstelle, lässt selbst in seiner eigenen hilflosen Lage niemanden in Stich, steht zur Seite und gibt Mut wenn er dem neben ihm hängenden zum Tode verurteilten Verbrecher verspricht, ebenfalls ins Paradies zu kommen. (Lk 23, 43). Dies bedeutet für uns, dass auch wir niemanden in dessen Not und Leid alleine lassen sollten. Konkret heißt dies für uns: Lasst uns nicht wegsehen von dem Leid in unserer Welt, lasst uns helfen, wo immer wir helfen können, lasst uns mutig sein auch wenn andere uns verspotten mögen. Jeder von uns braucht Hilfe, aber jeder von uns ist auch Hilfe. Mit Mut, Courage und Gottes Schutz und Segen können wir Tag für Tag andere glücklich machen und die Welt ein bisschen verbessern und die zwischenmenschlichen Beziehungen in unserer oft gefühlskalt anmutenden Gesellschaft liebevoller, respektvoller und humaner gestalten. Lasst uns daher Hilfe, Licht und Liebe sein, so wie dies Gott jeden einzelnen Tag unseres Lebens für uns ist.

Methodisch-didaktische Hinweise

Mit Kindern und Jugendlichen kann gleichermaßen gut wie eindringlich dargestellt werden, wie es ist, Hilfe zu benötigen und zu erhalten. Gerade Kinder sind im Alltag oft auf Hilfe angewiesen, zum Beispiel wenn sie etwas Trinken wollen und eine Flasche nicht selbst öffnen können. Solche Alltagsszenen sollen von den Kindern dargestellt, nachgespielt und besprochen werden.

Zudem wäre es schön und sinnvoll, mit Kindern ein Kinderheim zu besuchen bzw. vielleicht im Rahmen von Veranstaltungen oder Aktionen, zu denen man gegenseitig einlädt, gemeinsam Zeit zu verbringen und den Kontakt zu intensivieren.

Für größere Kinder und Jugendliche kann ein Hindernisparcours aufgebaut werden, der auf einem Bein bewältigt werden muss. Manche Hindernisse sollen aber so schwierig sein, dass Hilfe von anderen benötigt wird.

Mit Jugendlichen ist es außerdem möglich, durch den Besuch einer Hilfsorganisation die Erfahrungen des Hilfegebens und Hilfebenötigens zu verstärken. In diesem Rahmen werden Einblicke in eine sonst verborgene Welt ermöglicht, in der Menschen alltäglich auf Hilfe angewiesen sind und diese weitestgehend erhalten.

Eine weitere Möglichkeit besteht darin, dass Jugendliche mit Betroffenen direkt sprechen und mit diesen Erfahrungswerte austauschen. Dabei wurde an Personen und deren Angehörige in Frauenhäusern, Männerheimen, Tagesheimen, Behindertenwerkstätten, im Rahmen von Projekten zur Suchtprävention und so weiter gedacht.

Eine besonders schöne Erfahrung für Kinder, Jugendliche und Eltern ist auch der Dialog im Dunkeln in der Wiener Stadthalle, bei dem die Erfahrung gemacht wird, dass ein blinder Mensch, der im Alltag selbst oft auf Hilfe angewiesen ist, den sonst Hilfegebenden am Weg durch die Dunkelheit hilft. Die Rollen, welche im alltäglichen Leben als normal angesehen werden, werden hier getauscht. Einblicke in eine andere, sonst unbekannte Welt, werden somit für alle geöffnet.

Autorinnen

Ines Hauser von der evangelischen Jugend A.B. ist Bundesjugendreferentin der Evangelischen Jugend in Österreich; Sylvia Pilar, die Jugendbeauftragte der Altkatholischen Jugend, studiert in Wien – Sonntag, 25. November 2007