Lukas 14, 25-33

Viele Menschen begleiteten ihn; da wandte er sich an sie und sagte: 26Wenn jemand zu mir kommt und nicht Vater und Mutter, Frau und Kinder, Brüder und Schwestern, ja sogar sein Leben gering achtet, dann kann er nicht mein Jünger sein. 27Wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachfolgt, der kann nicht mein Jünger sein. 28Wenn einer von euch einen Turm bauen will, setzt er sich dann nicht zuerst hin und rechnet, ob seine Mittel für das ganze Vorhaben ausreichen? 29Sonst könnte es geschehen, dass er das Fundament gelegt hat, dann aber den Bau nicht fertig stellen kann. Und alle, die es sehen, würden ihn verspotten30und sagen: Der da hat einen Bau begonnen und konnte ihn nicht zu Ende führen. 31Oder wenn ein König gegen einen anderen in den Krieg zieht, setzt er sich dann nicht zuerst hin und überlegt, ob er sich mit seinen zehntausend Mann dem entgegenstellen kann, der mit zwanzigtausend gegen ihn anrückt? 32Kann er es nicht, dann schickt er eine Gesandtschaft, solange der andere noch weit weg ist, und bittet um Frieden. 33Darum kann keiner von euch mein Jünger sein, wenn er nicht auf seinen ganzen Besitz verzichtet.

Gedanken zum Text

In der Einheitsübersetzung ist diese Stelle mit den Worten Vom Ernst der Nachfolge überschrieben. Ernst wird man, wenn man solch einen Text liest. Ist das wirklich Jesus der hier zu uns spricht? Der selbe Jesus, der uns aufträgt unsere Nächsten zu lieben wie uns selbst? Schnell denkt man vielleicht: »Die Übersetzung wird wohl etwas schleißig sein.« Also schaut man lieber doch im griechischen Text nach aber da findet man keine Hilfe um die Stelle doch etwas milder auszulegen. Für gering achten wird hier das griechische Wort miseo verwendet, das eigentlich noch viel stärker ist. Es bedeutet hassen. Dieser Text ist kein harmonischer Text. Dieser Text ist ein radikaler Aufruf in die Nachfolge. Jesus warnt uns. Wer den Weg gehen will den er geht, wird unweigerlich auf Strapazen stoßen. Wer überlegt, sich in die Nachfolge Jesu zu stellen soll genau nachdenken. So genau wie ein Bauherr, der seine finanziellen Möglichkeiten vor Baubeginn kalkuliert oder ein König, der die Kampfkraft seiner Armee im Kriegsfall abschätzen muss.

Aber wie kann ich Jesus dann überhaupt nachfolgen? Wenn ich nicht weiß, ob ich alles zurücklassen kann? Wenn ich nicht weiß, ob ich es schaffe mein Kreuz zu tragen?

Wir dürfen darauf vertrauen, dass Jesus unsere menschliche Lage kennt. Er weiß, wie schwer es uns fällt Geliebtes zurückzulassen und er sagt uns immer wieder, dass er bei uns sein wird um uns zur Seite zu stehen. In diesem Wissen können wir uns in seine Nachfolge begeben und auch einen so ernsten Text bedenken, ohne zu verzagen.

Methodisch-didaktische Hinweise

Der Text ist wie viele andere Bibelstellen nicht eindeutig und vor allem nicht einfach zu erklären. Deshalb regt er zum Nachdenken und Diskutieren an. Er fordert uns heraus uns damit zu beschäftigen, was uns in unserem Leben wichtig ist und was nicht; ja mehr noch, was wir lieben und was wir hassen.

So sehe ich den Text als besonders geeignet an um Diskussionen anzuregen. Als Hinführung zum Text könnte auf Kärtchen gezeichnet oder geschrieben werden, was ich liebe und was ich hasse. Danach kann der Text gelesen werden und eine Diskussion beginnen. Es scheint mir noch einmal wichtig zu betonen, dass dieser Text wahrscheinlich keine fertigen Antworten gibt. Kaum jemand wird sofort ins Kloster gehen nachdem er den Text gehört hat. Aber die Anfrage Jesu an uns kann auch in der Diskussion betont werden: Bist du bereit dein Leben auf mich auszurichten?

Autor

Martin Siegrist von der Evangelisch-methodistischen Jugend studiert Theologie in Wien – Sonntag, 6. September 2004