Johannes 6, 51-58

Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wer von diesem Brot isst, wird in Ewigkeit leben. Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch, (ich gebe es hin) für das Leben der Welt. 52Da stritten sich die Juden und sagten: Wie kann er uns sein Fleisch zu essen geben? 53Jesus sagte zu ihnen: Amen, amen, das sage ich euch: Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esst und sein Blut nicht trinkt, habt ihr das Leben nicht in euch. 54Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben, und ich werde ihn auferwecken am Letzten Tag. 55Denn mein Fleisch ist wirklich eine Speise und mein Blut ist wirklich ein Trank. 56Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich bleibe in ihm. 57Wie mich der lebendige Vater gesandt hat und wie ich durch den Vater lebe, so wird jeder, der mich isst, durch mich leben. 58Dies ist das Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Mit ihm ist es nicht wie mit dem Brot, das die Väter gegessen haben; sie sind gestorben. Wer aber dieses Brot isst, wird leben in Ewigkeit.

Gedanken zum Text

Nur was über die Sinne geht, kann vom Verstand aufgenommen werden. Das gilt generell, doch scheint mir die ganzheitliche Glaubensvermittlung besonders bei Kindern und Jugendlichen wichtig. Im Johannestext geht es um das Essen und Trinken von Fleisch und Blut Christi. Klingt wahrscheinlich ersteinmal schrecklich so – fast makaber. Doch das ist natürlich nicht im wirklichen Sinn gemeint. Das Abendmahl, die Eucharistie ist einer der Orte, an dem der Glaube sinnenhaft erfahrbar wird. Es geht darüberhinaus im Text um das Essen des Brotes als Sinnbild für das Lebensbrot, das Christus gibt. Im Text ist nicht nur das schlichte Essen gemeint, sondern es wird das Wort für kauen verwendet. Es geht um die Verinnerlichung des Glaubens; des Schmeckens, wie gut Christus ist. Gut für unser Herz und unsere Seele.

Wenn Jesus von sich sagt, er sei das Himmelsbrot, dann steht vor dieser Antwort eine Frage. Im Falle von Jugendlichen würde ich sagen, es geht um den Sinn des Lebens. Genau das bewegt sie ja. Woher komme ich? Wer bin ich (in dieser Welt)? Was fange ich mit meinem Leben an? Jesus gibt keine konkreten Antworten auf jede einzelne Lebenssituation, doch sagt er von sich, er sei das lebendige Brot, das vom Himmel gekommen ist. Klingt ersteinmal abstrakt, doch beim näheren Nachdenken kann es dann persönlich konkretisiert werden (vielleicht hilft da auch der Text von Stefanie Burrlein; s. unten).

Dieser Johannestext berührt das Zentrale unseres Glaubens und Lebens. Wie und in welcher Weise ist Christus für mich das lebendige Brot? Welche Bedeutung und welchen Raum hat der Glaube in meinem Leben? Trägt er mich? Hat er für mich existentielle Bedeutung (Brot als Grundnahrungsmittel, essen als lebensnotwendig, schmecken als Genuß)? Jesus als das lebendige Brot hat immer auch mit etwas sich einfach schenken lassen zu tun, denn Gottes Liebe in Christus gibt es ohne (Vor-)Bedingungen und für jede(n). Jesus schenkt sich uns und im Teilen des Brotes wird das sichtbar und erfahrbar. Gott sucht die Nähe zu den Menschen und das Abendmahl ist eine Form des ganz konkret erfahrbaren Glaubens.

Methodisch-didaktische Hinweise

  • das Thema Abendmahl/Eucharistie aufgreifen (es gibt zu diesem Thema einen Behelf des ÖJR – zu finden auf dieser Homepage)
  • die Mitte könnte gestaltet werden mit Bildern von Brot teilenden Menschen oder Bildern von Abendmahl/Eucharistie
  • das Brot essen und schmecken – tue ich das – schmecken? Denke ich mir was dabei? Welche Bedeutung hat für mich das Schmecken (allgemein und speziell beim Abendmahl)?
  • Brot (ohne Abendmahlsritus) teilen und einmal ganz bewusst wirklich kauen und schmecken
  • was bedeutet mir das Abendmahl? (Glaubensstärkung, Gemeinschaft etc.)
  • das Thema Sinn des Lebens – Jesus, das Brot des Lebens – aufgreifen
  • die Mitte könnte gestaltet werden mit Brot und/oder Bildern von Brot, essenden Menschen etc.
  • Brot teilen und einmal ganz bewusst wirklich kauen und schmecken
  • Bedeutung des Brotes als Grundnahrungsmittel erfragen
  • nach was hungert und dürstet es mich? – stilles Brainstorming (Blatt Papier wird in die Mitte gelegt, Stifte, alle schreiben auf, was ihnen einfällt, Gespräche können sich still übers Schreiben entspinnen)
  • Text von Stefanie Burrlein (s.unten) lesen, besprechen o.ä.
  • Was bedeutet das für mich ganz konkret: Jesus, das lebendige Brot – Lebensbrot
  • Zusammenfassung durch Collage mit Beschriftung

Brot des Lebens

Ich habe Hunger
und rufe nach Brot.
Doch dieses Brot
macht mich nicht satt.
Ich habe Durst
und rufe nach Wasser,
doch dieses Wasser
stillt keinen Durst.
Ich bin
jedesmal
hinterher
wieder hungrig
und durstig.
Ich habe Hunger
und rufe nach Geld,
doch dieses Geld
macht mich nicht satt.
Ich habe Durst
und rufe nach Ansehen,
doch dieses Ansehen
löscht keinen Durst.
Der Hunger
und der Durst
bleiben.
Ich hungere nach Liebe,
ich dürste nach Frieden,
und suche nach Geborgenheit
und frage nach Sicherheit.
In dieser Welt
ist alles unsicher.
Ich suche noch mehr,
ich frage nach Leben,
nach Gerechtigkeit
und nach Freude.
In dieser Welt
kann ich das nicht
finden.
Doch es gibt ein Wort,
das Leben gibt.
Es gibt ein Brot,
das Leben gibt.
Es gibt einen Mann,
der Leben gibt,
für immer
und nicht nur hier.
Dieser Name ist die Antwort
auf alle Fragen,
auf meine Suche.
Jesus spricht:
Ich bin das Brot des Lebens,
wer mich isst, wird nie mehr
hungern.
So höre ich dieses Wort,
so nehme ich dieses Brot
des Lebens.
Herr, ich komme!!!
Und du???

Stefanie Burrlein

Autorin

Anke Neuenfeldt von der Evangelisch-methodistischen Jugend ist Pastorin in Wien – 17. August 2003