Johannes 4, 5-19.25-30.39-42

So kam er zu einem Ort in Samarien, der Sychar hieß und nahe bei dem Grundstück lag, das Jakob seinem Sohn Josef vermacht hatte. 6Dort befand sich der Jakobsbrunnen. Jesus war müde von der Reise und setzte sich daher an den Brunnen; es war um die sechste Stunde. 7Da kam eine samaritische Frau, um Wasser zu schöpfen. Jesus sagte zu ihr: Gib mir zu trinken! 8Seine Jünger waren nämlich in den Ort gegangen, um etwas zum Essen zu kaufen. 9Die samaritische Frau sagte zu ihm: Wie kannst du als Jude mich, eine Samariterin, um Wasser bitten? Die Juden verkehren nämlich nicht mit den Samaritern. 10Jesus antwortete ihr: Wenn du wüsstest, worin die Gabe Gottes besteht und wer es ist, der zu dir sagt: Gib mir zu trinken!, dann hättest du ihn gebeten, und er hätte dir lebendiges Wasser gegeben. 11Sie sagte zu ihm: Herr, du hast kein Schöpfgefäß, und der Brunnen ist tief; woher hast du also das lebendige Wasser? 12Bist du etwa größer als unser Vater Jakob, der uns den Brunnen gegeben und selbst daraus getrunken hat, wie seine Söhne und seine Herden? 13Jesus antwortete ihr: Wer von diesem Wasser trinkt, wird wieder Durst bekommen; 14wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird niemals mehr Durst haben; vielmehr wird das Wasser, das ich ihm gebe, in ihm zur sprudelnden Quelle werden, deren Wasser ewiges Leben schenkt. 15Da sagte die Frau zu ihm: Herr, gib mir dieses Wasser, damit ich keinen Durst mehr habe und nicht mehr hierher kommen muss, um Wasser zu schöpfen. 16Er sagte zu ihr: Geh, ruf deinen Mann und komm wieder her! 17Die Frau antwortete: Ich habe keinen Mann. Jesus sagte zu ihr: Du hast richtig gesagt: Ich habe keinen Mann. 18Denn fünf Männer hast du gehabt und der, den du jetzt hast, ist nicht dein Mann. Damit hast du die Wahrheit gesagt. 19Die Frau sagte zu ihm: Herr, ich sehe, dass du ein Prophet bist.[…] 25Die Frau sagte zu ihm: Ich weiß, dass der Messias kommt, das ist: der Gesalbte (Christus). Wenn er kommt, wird er uns alles verkünden. 26Da sagte Jesus zu ihr: Ich bin es, ich, der mit dir spricht. 27Inzwischen waren seine Jünger zurückgekommen. Sie wunderten sich, dass er mit einer Frau sprach, aber keiner sagte: Was willst du?, oder: Was redest du mit ihr? 28Da ließ die Frau ihren Wasserkrug stehen, eilte in den Ort und sagte zu den Leuten: 29Kommt her, seht, da ist ein Mann, der mir alles gesagt hat, was ich getan habe: Ist er vielleicht der Messias? 30Da liefen sie hinaus aus dem Ort und gingen zu Jesus.[…] 39Viele Samariter aus jenem Ort kamen zum Glauben an Jesus auf das Wort der Frau hin, die bezeugt hatte: Er hat mir alles gesagt, was ich getan habe. 40Als die Samariter zu ihm kamen, baten sie ihn, bei ihnen zu bleiben; und er blieb dort zwei Tage. 41Und noch viel mehr Leute kamen zum Glauben an ihn aufgrund seiner eigenen Worte. 42Und zu der Frau sagten sie: Nicht mehr aufgrund deiner Aussage glauben wir, sondern weil wir ihn selbst gehört haben und nun wissen: Er ist wirklich der Retter der Welt.

Gedanken zum Text

Ohne Wasser kein Leben. Zuviel Wasser ist auch nicht gut. Mitunter sogar recht gefährlich, weil es Leben vernichten kann. Also: Menschen brauchen gutes Wasser, frisches, »lebendiges«, kühles Wasser in der richtigen Menge. Quasi Lebensgrundlage – ähnlich für Pflanzen und Tiere.

Aber wir Menschen brauchen noch mehr für ein gutes Leben: gelingende Beziehungen, interessante Herausforderungen, anregende Orientierungen. »Nicht vom Brot allein« lebe der Mensch, heißt es an anderer Stelle der Bibel. Was die Qualität menschlichen Lebens ausmacht ist die Fähigkeit, über sich und über sich hinaus nachdenken zu können. Das führt unweigerlich dazu, dass wir Menschen viele, viele Fragen haben – an die Welt, an das, was passiert, an uns selbst.

Eine Frau und ein Mann begegnen einander am Brunnen. Sie ist eine Hiesige, er ein Reisender. Indem sie Kontakt aufnehmen, sprudeln die Fragen wie »lebendiges Wasser«: Wer bist du? Was will ein Mann von einer Frau? Warum spricht ein Jude mit einer Samariterin? Warum soll ich dir zu trinken geben? Warum interessierst du dich für mich? Wieso willst du etwas über meinen Gott wissen? Was wird aus dieser Begegnung?

Man kann sich gut vorstellen, wie die beiden angeregt miteinander reden, vielleicht rote Wangen bekommen, weil sie sich ereifern, wie die Zeit im Flug vergeht und wie umstehende Leute den Kopf schütteln.

Obwohl einander fremd, trotz gesellschaftlich-religiöser Ächtung, gegen alle Regeln des Umgangs zwischen Männern und Frauen: Nur so kann »lebendiges Wasser« wirklich fließen. Nur so kann Gott zwischen uns Menschen treten: wenn wir einander angstfrei, auf Augenhöhe und in gegenseitigem Respekt begegnen. Ein Bild, das andere ansteckt, denn sie kommen hergelaufen und wissen: Da wird gerade die Welt gerettet!

Methodisch-didaktische Hinweise

(für die Arbeit in der Kindergruppe)

Die Bibelstelle wird hier in einer eigenen Kurzfassung vorgeschlagen, die besonders auf das Verständnis von Kindern Rücksicht nimmt. Bitte das bei der konkreten Gottesdienstgestaltung zu berücksichtigen!

Es sprudelt nur so!

1. Schritt: Sprudelndes Wasser

Die Mädchen und Buben erkunden das Phänomen. Am besten im Freien z.B. mit einem Gartenschlauch oder im Zuge eines Ausflugs an einem Bach oder einer Quelle. Dabei wird mit Wasser experimentiert, es wird gerochen, gefühlt und geschmeckt – und die Gruppe wird aufgefordert, möglichst viele passende Eigenschaften zu nennen, die sie mit diesem sprudelnden Wasser in Verbindung bringen. Diese Eigenschaften werden auf Kärtchen notiert und mitgenommen.

2. Schritt: Sprudelnde Beziehung

Wieder im Gruppenraum werden die Mädchen und Buben zu einer Plakatarbeit eingeladen. Auf einem großen Bogen Packpapier werden die Umrisse von einem Mann/Buben und einer Frau/Mädchen gezeichnet.

Das kann auch so gemacht werden, dass sich jeweils ein Bub und Mädchen aus der Gruppe auf das Packpapier legen und die anderen Kinder ihren/seinen Körperumriss auf das Papier nachzeichnen.

Dann werden die Kärtchen mit den Eigenschaftsbezeichnungen von der Wassererkundung (s. 1.Schritt) auf das Plakat gelegt.

Jetzt werden die Mädchen und Buben aufgefordert, Übersetzungsarbeit zu leisten:

  • Welche Eigenschaften des sprudelnden Wassers gelten genauso für eine sprudelnde (=lebendige) Beziehung zwischen Mädchen und Buben, Frauen und Männern?
  • Welche Wörter können wir so übernehmen wie sie sind?
  • Bei welchen Wörtern müssen wir erklären, was wir damit meinen?

Die entsprechenden Eigenschaftswörter werden auf das Plakat zwischen die beiden Körperumrisse geschrieben.

Zum Abschluss (wenn die Gruppe noch Lust darauf hat) kann das ganze Plakat noch mit sprudelndem Wasser geschmückt werden.

Autor

Otto Kromer ist Bildungsreferent der Katholischen Jungschar Österreichs – Sonntag, 27. März 2011