Johannes 17, 1-11a

Dies sagte Jesus. Und er erhob seine Augen zum Himmel und sprach: Vater, die Stunde ist da. Verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrlicht. 2Denn du hast ihm Macht über alle Menschen gegeben, damit er allen, die du ihm gegeben hast, ewiges Leben schenkt. 3Das ist das ewige Leben: dich, den einzigen wahren Gott, zu erkennen und Jesus Christus, den du gesandt hast. 4Ich habe dich auf der Erde verherrlicht und das Werk zu Ende geführt, das du mir aufgetragen hast. 5Vater, verherrliche du mich jetzt bei dir mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, bevor die Welt war. 6Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast. Sie gehörten dir und du hast sie mir gegeben, und sie haben an deinem Wort festgehalten. 7Sie haben jetzt erkannt, dass alles, was du mir gegeben hast, von dir ist. 8Denn die Worte, die du mir gegeben hast, gab ich ihnen und sie haben sie angenommen. Sie haben wirklich erkannt, dass ich von dir ausgegangen bin, und sie sind zu dem Glauben gekommen, dass du mich gesandt hast. 9Für sie bitte ich; nicht für die Welt bitte ich, sondern für alle, die du mir gegeben hast; denn sie gehören dir. 10Alles, was mein ist, ist dein, und was dein ist, ist mein; in ihnen bin ich verherrlicht. 11Ich bin nicht mehr in der Welt, aber sie sind in der Welt, und ich gehe zu dir.

Gedanken zum Text

In dieser Bibelstelle fällt besonders oft das Wort »Herrlichkeit« oder »verherrlichen.« Was genau können wir uns darunter vorstellen? Was genau ist Herrlichkeit? Gibt es so etwas wie eine Definition davon? Woran denken wir bei dem Thema Herrlichkeit? An Könige, Adelige, Reichtum, Prunk, Stars mit ihren Allüren oder sonstige neumodische Erscheinungen?

Oder denken wir viel mehr an eine spezielle Art von Coolness? Was genau verbindet die Jugend heute mit dem Wort Herrlichkeit? Wenn es so etwas wie eine Ästhetik des Hässlichen gibt, gibt es auch so etwas wie eine Herrlichkeit des Armseligen? Kann nicht etwas Simples, etwas von Reichtum und Macht so unendlich weit Entferntes wie die Geburt eines Menschen, ein Sonnenaufgang, die Natur oder etwas Ähnliches auch von Herrlichkeit nur so strotzen?

Oder ist dieses Wort nicht vielmehr eine veraltete Floskel, geschaffen von einer Generation lange vor unserer?

Wie können wir den Begriff der Herrlichkeit nun mit dieser Stelle in Einklang bringen? Wenn man sich Jesu Leben anschaut, so denkt man an alles Andere als an Herrlichkeit. Armut, Wanderschaft, der Spott der Anderen – ja schon beinahe Hass – und letzten Endes der Tod der nur Verbrechern geziemt? Worin genau liegt nun die Herrlichkeit Jesu, und die des Vaters?

Greifen wir noch mal auf das vorher gesagte zurück – wie sieht es mit der Herrlichkeit des Armseligen aus? Ist nicht gerade der Gedanke, dass Jesu trotz seinem Leiden, trotz all der Qualen und Unannehmlichkeiten für uns gestorben ist etwas unglaublich Herrliches? Liegt die Herrlichkeit nicht in Gottes Liebe? Der uns Menschen so sehr liebt, tut um uns zu retten, so was seinem eigenen Sohn an. Und dieser nimmt die Qualen und die Pein, wissend und um unser willen auf sich.

Methodisch-didaktische Hinweise

Bilder sammeln

Aus Zeitschriften, Werbeprospekten und sonstigem Material werden Bilder ausgeschnitten, die den Jugendlichen als herrlich erscheinen. Warum haben sie sich dieser Bilder ausgesucht? Was symbolisieren sie? Was denken sie sich dabei? Anschließend ein Gespräch über das eben reflektierte: Wenn ich mich verherrlichen würde – wie würde ich das tun? Und: Wie würde ich jemand anderen verherrlichen?

Partnerübung

Die Jugendlichen bilden Paare. Die Aufgabenstellung ist recht simpel: Verherrliche deinen Partner. Überlege dir wie du ihn darstellen könntest, damit er in aller Pracht und Herrlichkeit präsentiert werden kann. Denkbar wäre auch eine Art kleiner Wettbewerb: Wer verherrlicht seinen Partner am meisten?

Brainstorming

Was für Alternativen gibt es zur klassischen Herrlichkeit der Könige und Stars? Was für eine neue Art können sich die Jugendlichen einfallen lassen. Was wäre abseits des Mainstream herrlich, in einem außerordentlichen Sinne? Diese Aktion kann auch mit etwas kreativem verbunden werden – malen, zeichnen und basteln. Wie hat die Kunst Herrlichkeit im laufe der Geschichte dargestellt? Ein paar Bilder aus verschiedenen Epochen nehmen: Antike, Mittelalter, Barock, Renaissance und Moderne.

Autor

Clemens Rohrmoser von der Evangelischen Jugend H.B. studiert Theologie in Wien – 4. Mai 2008