Johannes 14, 1-12

Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott und glaubt an mich! 2Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, hätte ich euch dann gesagt: Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten? 3Wenn ich gegangen bin und einen Platz für euch vorbereitet habe, komme ich wieder und werde euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin. 4Und wohin ich gehe – den Weg dorthin kennt ihr. 5Thomas sagte zu ihm: Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst. Wie sollen wir dann den Weg kennen? 6Jesus sagte zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich. 7Wenn ihr mich erkannt habt, werdet ihr auch meinen Vater erkennen. Schon jetzt kennt ihr ihn und habt ihn gesehen. 8Philippus sagte zu ihm: Herr, zeig uns den Vater; das genügt uns. 9Jesus antwortete ihm: Schon so lange bin ich bei euch und du hast mich nicht erkannt, Philippus? Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen. Wie kannst du sagen: Zeig uns den Vater? 10Glaubst du nicht, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist? Die Worte, die ich zu euch sage, habe ich nicht aus mir selbst. Der Vater, der in mir bleibt, vollbringt seine Werke. 11Glaubt mir doch, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist; wenn nicht, glaubt wenigstens aufgrund der Werke! 12Amen, amen, ich sage euch: Wer an mich glaubt, wird die Werke, die ich vollbringe, auch vollbringen und er wird noch größere vollbringen, denn ich gehe zum Vater.

Gedanken zum Text

»Wenn ihr mich erkannt habt, werdet ihr auch meinen Vater erkennen.« Ist dir das noch nie passiert? Du kennst jemanden und der/die ist ganz eindeutig seiner/ihrer Familie zuzuordnen. Manchmal haben alle ein ähnliches Gesicht, manche Familien oder Freunde erkennt man an der Kleidung und andere einfach auch an der Art, wie sie leben und mit Menschen umgehen. In meiner Heimatpfarre gibt es mehrere dieser Familien – und jedes mal wieder muss ich überlegen, wer da jetzt vor mir steht: Elisabeth, Bernadette oder Theresa.

So ähnlich stelle ich mir das auch bei Gott und Jesus vor. Sie sind einer Familie zuordenbar, haben eine gemeinsame Art zu leben.

Ich finde es schön, wenn Johannes in Bildern spricht. Jeder kann sich etwas vorstellen und einer Wohnung und einem Weg, und dennoch wird sich jeder etwas anderes vorstellen. Jesus verspricht uns eine Wohnung bei Gott. Den Weg dorthin muss jeder selbst gehen, aber er zeigt ihn uns. Er selbst – und seine Art zu leben – ist der Weg.

Das heißt nicht, dass wir uns kreuzigen lassen müssen! Wichtig ist, dass wir glauben. Dazu gehört nicht nur, dass wir die Dinge im Glaubensbekenntnis glauben sondern vor allem auch unser Leben nach den Geboten Gottes ausrichten – und dann werden wir noch größere Dinge vollbringen.

Methodisch-didaktische Hinweise

  • In den ersten Versen ist von einer Wohnung bei Gott die Rede. Wie stellt ihr euch das vor? Wie sieht das Leben bei Gott aus? Glaubt ihr an dieses Leben? Eine Möglichkeit der Beantwortung der Frage, bei der aber auch viel offen bleiben kann, ist eine Collage. In diesem Fall würde ich vorschlagen, dass jeder seine eigene Collage anfertigt – die ihr dann in ein großes Haus einklebt.
  • Die Bibelstelle sagt uns, dass Gott und Jesus eins sind. Dennoch haben wir Vorstellungen von Gott und Jesus, die sich unterscheiden. Merkmale die nur einem der beiden zugeordnet werden … Welche sind das? Was macht Gott Vater aus und was Gott Sohn? Was verbindet ihr mit beiden? (wenn ihr wollt, könnt ihr gerne auch noch als Steigerungsstufe den Heiligen Geist miteinbeziehen)
  • Immer wieder lesen wir von Bildern. Jesus ist der Weg, das Licht, die Wahrheit, … welche Bilder der Bibel fallen euch noch ein?
  • Der Glaubensweg ist bei jedem Menschen anders. Manche sind geschlungen, andere sehr gerade, steinig, steil, ein Teil im Nebel oder Sonnenschein. Überlegt und zeichnet euren eigenen Lebens- und Glaubensweg. Wo waren markante Stellen, gab es eine Sackgasse, bist du den ganzen Weg alleine gegangen oder auch getragen worden?
  • Wege sind meist verschlungen und man kommt nicht immer nur vorwärts. Bei vielen religiösen Tänzen bewegt man sich zwei Schritte vorwärts und wieder einen zurück um die Unsicherheit, das Nachdenken und Umkehr darzustellen. Ein sehr einfaches Lied heißt: Wechselnde Pfade, Schatten und Licht. Alles ist Gnade. Fürchte dich nicht! (jeweils drei Schritte vorwärts und einen retour)
    Für alle, die das Lied nicht kennen: hier findest du es mit Noten – kurz nach der Hälfte der Seite.

Autorin

Sylvia Berger ist ehrenamtliche Mitarbeiterin in der Katholischen Jugend und Vorsitzende des ÖJR – 20. April 2008