Johannes 1, 1-5.9-14

Im Anfang war das Wort, / und das Wort war bei Gott, / und das Wort war Gott. 2Im Anfang war es bei Gott. 3Alles ist durch das Wort geworden / und ohne das Wort wurde nichts, was geworden ist. 4In ihm war das Leben / und das Leben war das Licht der Menschen. 5Und das Licht leuchtet in der Finsternis / und die Finsternis hat es nicht erfasst. […] 9Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, / kam in die Welt. 10Er war in der Welt / und die Welt ist durch ihn geworden, aber die Welt erkannte ihn nicht. 11Er kam in sein Eigentum, / aber die Seinen nahmen ihn nicht auf. 12Allen aber, die ihn aufnahmen, / gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, / allen, die an seinen Namen glauben, 13die nicht aus dem Blut, / nicht aus dem Willen des Fleisches, / nicht aus dem Willen des Mannes, / sondern aus Gott geboren sind. 14Und das Wort ist Fleisch geworden / und hat unter uns gewohnt / und wir haben seine Herrlichkeit gesehen, / die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, / voll Gnade und Wahrheit.

Gedanken zum Text

Für uns Menschen ist die Sprache wohl das wichtigste Mittel zur Verständigung untereinander. Menschen müssen miteinander reden, wenn sie Botschaften weitergeben wollen, wenn sie Konflikte klären, Wissen vermitteln, Geschäfte abschließen, Aktionen starten, Beziehungen vertiefen wollen.

Etwas aussprechen heißt immer auch, etwas verbindlich machen. Das ausgesprochene Wort ist für andere nachvollziehbarer als das gedachte, es ist überprüfbar und damit einforderbar. Ein gegebenes Wort ist nicht mehr so leicht rückgängig zu machen, es legt fest.

Der knappe Einleitungstext ins Johannesevangelium beschreibt die Grundstruktur menschlicher Kommunikation: Da ist zuerst der Gedanke, eine Idee: »Wort« heißt nämlich in der griechischen Übersetzung logos und bezeichnet damit die Absicht, die gleichsam hinter dem Wort steht. Diese Idee muss in Worte gefasst werden, dann kann sie konkrete Gestalt annehmen, Fleisch und Blut werden. Und so wird ein Wort zwischen Menschen wirksam – es »wohnt« unter uns, es treibt uns an und um, es gibt unserem Verhalten eine bestimmte Richtung. Das Wort der/des einen ruft fast automatisch die Ant-Wort der/des anderen hervor – auch wenn letztere nicht ausgesprochen wird.

So einfach das System erscheint, so schwierig ist die Praxis: Worte bleiben immer mehrdeutig. Gut gemeintes kann schlecht aufgenommen werden. Kommunikation birgt jede Menge an Missverständnissen in sich. Was unter uns »Fleisch wird«, kann möglicherweise gegen die ursprüngliche Idee gerichtet sein. Miteinander reden verlangt demnach viel Aufmerksamkeit füreinander und Achtsamkeit in der Wahl der Worte.

Auch Götter und Göttinnen haben immer mit den Menschen gesprochen, vor allem auch deshalb, um eine Beziehung aufzubauen oder aufrecht zu erhalten. Dies geschah (und geschieht) auf unterschiedliche Weise. In direkter Form (z.B. im Traum, in einer Vision, …) oder über besondere Boten (z.B. Prophet(inn)en …). Menschen haben es von Anbeginn an versucht, das Wort der GöttInnen zu verstehen und zu deuten. Die Praxis der Religionen spiegeln diese Versuche wider, mit Gottheiten in Kontakt und damit auch in Kommunikation zu kommen. Denn der Mensch will um sein Schicksal wissen – und will es natürlich auch günstig beeinflussen. Das, was »Fleisch« unter uns wird, soll jedenfalls unser Leben zum Guten wenden.

Methodisch-didaktische Hinweise

Mit Mädchen und Buben:

Wie sag ich’s wohl am besten?

Die Gruppenmitglieder werden zu einem Wortwahl-Experiment eingeladen. Die dahinterliegende Erfahrung ist, dass wir in unserem Reden miteinander immer wieder draufkommen, dass wir etwas sagen – und es eigentlich anders gemeint haben. Die Übung soll helfen, genau zu formulieren, was wir uns denken und den anderen mitteilen wollen.

Der erste Teil ist eine Phase der Einzelarbeit. Jedes Gruppenmitglied bekommt ein Arbeitsblatt, auf dem zwei, einander zugewandte Köpfe von Menschen skizziert sind, wobei jede(r) der beiden mit einer Gedanken- und einer Sprechblase versehen ist. Die Mädchen und Buben werden aufgefordert, sich eine konkrete Situation vorzustellen und dazu das Arbeitsblatt in vier Schritten zu beschriften:

Ausgangspunkt ist eine Notiz in der Gedankenblase der ersten Figur:
Was habe ich jetzt vor? Was möchte ich der/dem anderen mitteilen?

Dann folgt die Formulierung einer passenden Mitteilung in der Sprechblase der ersten Figur:
Das sage ich jetzt der/dem anderen!

Darauf erfolgt eine erste Reaktion in der Gedankenblase der zweiten Figur:
Was hört sie/er? Was kommt bei ihr/ihm an? Was denkt sie/er sich dazu?

Schließlich die Antwort in der Sprechblase der zweiten Figur:
Das antwortet sie/er darauf!

Die Vorgabe für diese Übung kann unterschiedlich sein und von den Mädchen und Buben frei gewählt werden, z.B.:

  • Ich möchte mich mit jemandem verabreden …
  • Ich muss jemandem etwas Unangenehmes mitteilen …
  • Ich bin auf jemanden sehr wütend …
  • Ich muss mich bei jemandem entschuldigen …
  • Ich möchte jemandem mitteilen, dass ich sie/ihn sehr mag …
  • Ich möchte jemanden bitten, mir bei einer Sache zu helfen …
  • Ich muss dringend jemandem etwas Wichtiges sagen …
  • Ich will jemanden von einem Vorhaben abbringen …
  • Ich will jemanden zu einem Vorhaben überreden …
  • Ich möchte, dass sie/er mir etwas borgt, was ihr/ihm recht wichtig ist …
  • Ich will ein Geheimnis auskundschaften …
  • Ich will jemandem ein Geheimnis anvertrauen …
  • usw.

Der zweite Teil dieser Übung besteht dann darin, dass sich die Mädchen und Buben wieder in der Runde versammeln und ihre Gedanken und Sprechtexte einander vorstellen. Dabei kann gemeinsam überlegt werden, ob es in dem einen oder anderen Fall auch andere Reaktionen geben kann, bzw. ob und wie manche Absicht anders aufgenommen wird, wenn sie anders formuliert wird …

Autor

Otto Kromer ist Bildungsreferent der Katholischen Jungschar Österreichs – Sonntag 4. Jänner 2009