Beten

8. März 2009

Zum Thema

Mit Jugendlichen über Beten reden kann vorallem bei jüngeren Jugendlichen, die ihre Gedanken noch nicht so reflektiert ausdrücken können, ein schwieriges Unterfangen sein. Zumindest wenn man ihnen nur die Möglichkeit gibt, sich mit Worten auszudrücken. Ich habe gute Erfahrungen damit gemacht, den Jugendlichen die Chance zu geben, sich zunächst einmal mit Dingen auszudrücken. Wenn sie einmal ihren Vorstellungen vom Beten sichtbar Gestalt geben können, tun sie sich in der Regel auch leichter, diese Ideen in Worte zu fassen.

Eine sehr hilfreiche Vorlage dafür, wie das gehen kann, liefert das Buch »Konfis auf Gottsuche« von Hans-Ulrich Keßler und Burkhardt Nolte. Ich stelle hier einen Vorschlag für die Gestaltung eines ganzen Wochenendes (inkl. kleinem Erfahrungsbericht) vor, der sich an diesen Entwurf von Keßler/Nolte anlehnt, und den wir mit einer Gruppe 11-14-jähriger durchgeführt haben.

Methodisch-didaktische Hinweise

Einführung

betenSchon aus der Einladung zum Wochenende ist das Thema klar hervorgegangen: Die Einladung was als E-Mail gestaltet – von »mir@home.at« an »lieber.gott@himmel.net«, Betreff »Gebet«; darüber eine Sprechblase »Beten ist wie…«

Am Freitagabend (nach Kennenlernspielen etc.) ein paar Sketche zum Thema Gebet (Gespräch zwischen Schülern; Interviews mit Leuten auf der Straße, schließlich Interview mit den Jugendlichen), um den Fokus der Jugendlichen auf das Thema Gebet zu lenken. Mehr war noch gar nicht nötig …

Ausarbeitung der eigenen Ideen

Am Samstagvormittag gab es dann den Auftrag an alle, allein oder in kleinen Gruppen jeweils eine Station zu bauen, mit der sie den anderen zeigen sollen, was sie übers beten denken (»Beten ist wie …«). Verwenden konnten sie dazu alles, was sie im ganzen Kirchengebäude fanden. Wichtig: sie sollen ihre Station selbst (noch) nicht benennen!

Danach sollten sie sich in Ruhe alle Stationen ansehen, und dann jeweils paarweise sich gegenseitig eine Lieblingsstation sowie eine Station, die sie nicht verstanden oder der sie widersprechen zeigen – und begründen warum.

Und schließlich folgte die Benennung der Stationen: Jeder sollte für seine Lieblingsstation und seine eigene Station den Satz »beten ist wie …« vervollständigen.

Kostproben gefällig?

  • Einige Teenager stellten viele Kerzen in einem dunklen Raum auf – aber nur eine einzige brannte. Die anderen Teenager, die reinkamen, zündeten nach und nach die anderen Kerzen an. »Beten ist wie ein Licht im Dunklen – das andere erhellen und anstecken kann.«
  • Ein kleiner Ball, daneben ein Zettel mit der Aufforderung, den Ball in die Luft zu werfen und wieder aufzufangen. »Beten ist ein Opfer, das ich in den Himmel schicke, und es kommt (als Segen) wieder zurück.«
  • Ein Herz sollte aus 50 Kreidestücken nachgebaut werden: »Beten ist wie Gott lieben, und wie Liebe die sich vermehrt.«
  • Und zuletzt ein Bild mit einer Schnur, an deren einem Ende Gott und am anderen Ende der Mensch ist – dazwischen einige Hindernisse: »Beten ist wie eine Verbindung zwischen Gott und Menschen. Aber es gibt Hindernisse. Die sollten überwunden werden …«

Zur Ergebnissicherung konnte sich am Schluss jede(r) den Zettel raussuchen mit der Gebetsdefinition, die für ihn/sie am ehesten stimmt – als Erinnerung.

Vertiefung

Nach einer ausgiebigen Sportpause sind wir am Abend dann wieder zum Thema Gebet zurückgekehrt. In der Kreismitte gab es viele Kärtchen mit Bibelsprüchen übers Beten.

Die Aufgabe war nun zu schauen, ob es Bibelsprüche gab, die mit einer der Stationen übereinstimmen oder ähnlich sind – die konnten dann zu den Stationen gelegt werden. Danach folgte eine kurze Gesprächsrunde darüber, wie beten denn jetzt so ist – bei der (nicht überraschend) herausgekommen ist, dass Beten für jeden Menschen, und auch je nach Lebenssituation, verschiedenes bedeuten und bewirken kann.

Danach haben einige Mitarbeiter des Teams von ihren Erfahrungen mit Beten berichtet: von positiven Erfahrungen, aber auch von Enttäuschungen; und auch davon wie sie erst später entdeckt haben, wo Gebet ihnen oder anderen geholfen hat, obwohl eine Bitte wie z.B. die um die Heilung einer kranken Freundin sich nicht erfüllt hat.

Tipp: Leute aus der Gemeinde fragen (möglichst welche, die die Jugendlichen kennen) und bitten, von ihren Erfahrungen zu berichten; ggf. auch vorher auf Video aufzeichnen, wenn man nicht alle direkt einladen kann …

Die Ergebnisse des Wochenendes wurden dann noch am Sonntag im Gottesdienst präsentiert.

Autor

Stefan Schröckenfuchs von der Evangelisch-methodistischen Kirche ist Pastor auf Probe in Wien.