Sprüche 8, 22-31

Der Herr hat mich geschaffen im Anfang seiner Wege, / vor seinen Werken in der Urzeit; 23in frühester Zeit wurde ich gebildet, / am Anfang, beim Ursprung der Erde. 24Als die Urmeere noch nicht waren, / wurde ich geboren, / als es die Quellen noch nicht gab, die wasserreichen. 25Ehe die Berge eingesenkt wurden, / vor den Hügeln wurde ich geboren. 26Noch hatte er die Erde nicht gemacht und die Fluren / und alle Schollen des Festlands. 27Als er den Himmel baute, war ich dabei, / als er den Erdkreis abmaß über den Wassern, 28als er droben die Wolken befestigte / und Quellen strömen ließ aus dem Urmeer, 29als er dem Meer seine Satzung gab / und die Wasser nicht seinen Befehl übertreten durften, 30als er die Fundamente der Erde abmaß, / da war ich als geliebtes Kind bei ihm. Ich war seine Freude Tag für Tag / und spielte vor ihm allezeit. 31Ich spielte auf seinem Erdenrund / und meine Freude war es, bei den Menschen zu sein.

Gedanken zum Text

»A Idee müsset ma håb’n!«
Wir kennen das. Es steht etwas an. Es gehört endlich etwas erledigt. Egal ob großes Projekt oder alltäglicher Kleinkram. Da ist der Anspruch tätig zu werden, Entscheidungen zu treffen, etwas anzupacken, hinter sich zu bringen … Es könnte schon längst geschafft sein – leider fehlt noch die zündende Idee, das Konzept, der Plan. Und so wird hin und her geschoben, probiert, wieder sein gelassen. Entwürfe landen zerknüllt in den Papierkörben unserer Phantasie …
»A Idee müsset ma håb’n!«

Im biblischen Buch der Sprüche ist an dieser Stelle die Rede von der Weisheit. Ganz und gar nicht abstrakt sondern als leichtfüßige Person tanzt sie uns hier vor der Nase herum, vor dem Werk, das noch nicht begonnen wurde. Spielerisch und voller Freude darüber, dass da gleich mächtig viel los sein wird. Und ziemlich selbstbewusst, denn bevor irgendetwas beginnt, ist sie da: sie, die Weisheit – das Wissen – die Vorstellung – die Idee! Offensichtlich braucht auch Gott so eine Person vor sich, um mit dem klarzukommen, was er sich als Aufgabe gestellt hat: Ordnung ins Chaos zu bringen, Himmel und Erde zu schaffen. Denn ohne eine kluge Idee geht da gar nichts. Und wahrscheinlich ließ er diese seine Ideen auch eine gute Zeit lang über den brodelnden Urfluten schweben (Gen1:2), bevor er dran ging, daraus ein brauchbares Weltmodell zu erschaffen. Schließlich soll es ja ein gutes Werk werden, was ja nichts anderes heißt, als dass Idee und Ausführung gut zueinander finden müssen.

»A Idee müsset ma håb’n!«
Noch ein Schritt weiter: Es ist ja nicht so, dass wir so gar keine Ideen hätten. Oh nein – wir haben eigentlich viele Ideen: Was wir im Leben alles erreichen wollen … wie unser(e) Traumpartner(in) sein sollte … womit wir uns gerne ein persönliches Denkmal setzen würden … was aus unseren Kindern einmal wird … was in der Welt eigentlich ganz anders zu regeln wäre … wie wir agieren würden, hätten wir endlich einmal viel Geld zur Verfügung … Mitunter haben wir Schwierigkeiten mit dem Ordnen unserer Ideen. Was ist eigentlich wichtig? Was macht Sinn? Womit verirren wir uns womöglich? Was ist ausgemachter Blödsinn? Viele Ideen können lähmen. Dann sitzen wir da, und tausende Ideen wetteifern vor nicht angefangenen Dingen und mit der Zeit schleicht sich Panik heran, dass möglicherweise Chancen vertan werden.

Gott geht mit seinen Ideen beispielhaft um: Einmal lässt er sie schweben, dann wieder spielen. Das ist Ausdruck von Freiheit. Ideen lassen sich letztlich nicht verzwecken, sie brauchen Raum für Entfaltung, sie brauchen Anregung durch Material, sie brauchen schöpferische Lust. So kam es wohl nicht zufällig zu diesem Bild, dass der Schöpfergott gleichsam ein personales Gegenüber in seinem Geist hat, das eigenständig agieren muss und dessen weiser Führung er sich anvertrauen kann, um letztlich in seinem Vorhaben gut weiterzukommen.

Methodisch-didaktische Überlegungen

Ideen sprießen lassen – eine Anregung für die Arbeit in der Kindergruppe

Meine Sandkastenwelt:
Mit wenig Aufwand lässt sich auch im Gruppenraum einmal ein Sandkastenexperiment wagen. Zumeist besitzen Tische an der Unterseite seitliche Verstrebungen. Wenn man so einen Tisch einfach umdreht und auf einen anderen Tisch draufstellt, hat man schon eine Art Holzkiste vor sich, in die man einen oder zwei Säcke feinen Spielsand (-> aus dem Bauhaus) schüttet. Schon kann es losgehen: Die Mädchen und Buben bekommen zusätzlich einen Sack voller Kleinkram (z.B. Figuren und Spielzeug aus dem Inneren von Überraschungseiern odgl.) und werden gebeten, damit in dem Sandhaufen eine Welt zu bauen, in der sie selbst einmal gerne leben würden …

Das funktioniert dann im Ablauf folgendermaßen:

  1. Jedes Kind sucht sich einen Platz in der Sandkiste, wo es zunächst einmal ungestört von den anderen am eigenen Modell arbeiten kann.
  2. Nach einiger Zeit – wenn alle für’s erste einmal fertig sind gibt’s eine Führung durch die verschiedenen Welten: Jedes Mädchen, jeder Bub darf seine Welt den anderen zeigen und erklären …
  3. Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den Vorstellungen werden zusammengetragen und übersichtlich auf zwei Plakaten mitgeschrieben.
  4. Danach können Kooperationsschritte überlegt werden: Diejenigen, die nebeneinander gearbeitet vereinbaren, wieweit sie ihre Grenzen zueinander öffnen und Veränderungen mit dem Ziel der Erschaffung einer gemeinsamen Welt vornehmen wollen …
  5. Die dabei gewonnenen Eindrücke werden in einer Schlussrunde einander mitgeteilt.

Autor

Otto Kromer ist Bildungsreferent der Katholischen Jungschar Österreichs

Erstveröffentlichung: Dreifaltigkeitssonntag, 6. Juni 2004