Matthäus 5, 13-16

Ihr seid das Salz der Erde. Wenn das Salz seinen Geschmack verliert, womit kann man es wieder salzig machen? Es taugt zu nichts mehr; es wird weggeworfen und von den Leuten zertreten. 14Ihr seid das Licht der Welt. Eine Stadt, die auf einem Berg liegt, kann nicht verborgen bleiben. 15Man zündet auch nicht ein Licht an und stülpt ein Gefäß darüber, sondern man stellt es auf den Leuchter; dann leuchtet es allen im Haus. 16So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.

Gedanken zum Text

»Unser Salz – Gott erhalt’s!« Das weiße Gold galt in unseren Breiten immer schon als kostbares Gut. Ähnlich das Licht. Vor allem in Zeiten wo die Nächte lang und kalt sind – und sich die Sonne nur zwischendurch ein wenig zeigt. Die Bilder, die Jesus im Gespräch mit seinen Jünger(inne)n verwendet, erscheinen klar, ausdrucksstark und gut verständlich. Auffallend ist die selbstverständliche und bedingungslose Zu-Mutung an seine ZuhörerInnen: »Ihr seid Salz!« und »Ihr seid Licht«. Keine Rede davon, dass man solches erst werden müsste, oder gar nur wenigen vorbehalten ist. Ein Talent des Menschen also?

Für Jesus ist es selbstverständlich, dass die, die ihm zuhören, Salz und Licht sind. Wenn wir aus dem kurzen Text noch eine Art Mahnung heraushören wollen, dann vielleicht die Sorge darum, dass dieses Talent Salz oder Licht zu sein, durch falschen Gebrauch verloren gehen könnte: Ein Licht unter einen Kübel gestellt wird vermutlich aus Mangel an Sauerstoff verlöschen, und schlecht gelagertes Salz verliert seine würzende Kraft.

Jesus sagt also den Menschen, die um ihn herum sind: »He, – Du und Du … und Du hast das Zeug dazu Salz für die Erde und Licht für die Welt zu sein!« Verbunden damit ist natürlich die Aufforderung, etwas mit diesen Talenten zu tun – sie also nicht einfach vergammeln zu lassen.

Salz ist zweifellos unverzichtbare Würze: Nur eine kleine Prise davon – und der Geschmack von Speisen ändert sich bedeutend. Zuviel Salz schadet: was einmal versalzen wurde, das kann man kaum noch mit Genuss essen. Beim Licht ist es ähnlich: Schon ein wenig Licht gibt in der Dunkelheit Orientierung. Zuviel und zu helles Licht kann blenden und die Orientierung verhindern.

»Du bist Salz! Du bist Licht!« Die Zu-Mutung Jesu besteht darin, dass er uns Menschen einfach zutraut, Salz der Erde und Licht der Welt zu sein. Was könnte das bedeuten? Vielleicht die Erinnerung daran, dass wir Verantwortung füreinander haben, dass wir Menschen es in der Hand haben, ob sich die Welt im Kleinen wie im Großen in die richtige Richtung weiterentwickelt – und dass es tatsächlich an jeder und jedem von uns liegt, und nicht an irgendwelchen finsteren Mächten außerhalb? Der Hinweis, dass Salz seinen Geschmack und Licht seine Leuchtkraft verlieren können, ist so gesehen die Mahnung an uns, nicht so zu tun, als ob uns das alles nichts anginge, was in der Welt und zwischen Menschen geschieht. Sich zurückzulehnen, und darüber zu jammern, wie schlecht und schrecklich alles geworden wäre – das ist nach Jesu Bild kraftloses Salz und Licht unter dem Kübel. Salz und Licht sein heißt aufstehen, heißt unangenehme Fragen stellen, heißt Einsatz für Frieden und soziale Gerechtigkeit, heißt Widerstand gegen Mächtige, die ausbeuten und unterdrücken …

Methodisch-didaktische Hinweise

Für die Arbeit in der Kindergruppe: (Material: Ein kleines Fässchen Meersalz [grobkörnig], mehrere Teelichter, ein Plakat mit den Umrissen der Weltkugel)

  • Meine Erde/meine Welt
    Die Mädchen und Buben füllen zuerst die Skizze von der Weltkugel mit vielen konkreten Beispielen aus dem eigenen Alltag: Das gehört zu meiner/unserer Welt: z.B. meine Eltern, meine Geschwister, meine Lehrer(innen), meine Freunde/innen, die Wohnhausanlage, die Schule, die Pfarre, der Spielplatz … usw.
  • Salz und Licht
    Miteinander überlegt ihr, welche symbolische Bedeutung Salz und Licht haben könnten. Die Mädchen und Buben dürfen dabei mit den Teelichtern und den Salzkörnern experimentieren, um deren unterschiedliche Wirkungen kennen zu lernen.
    Salz – würzt Speisen, kann auch versalzen, brennt in offenen Wunden …
    Licht – erhellt und wärmt, kann auch blenden, offenes Feuer kann verbrennen …
  • Salz und Licht in unserer Welt sein
    In einem dritten Schritt geht es darum, die Bildrede Jesu auf die Situation der Mädchen und Buben zu übertragen. »Ihr seid Salz und Licht in dieser (unserer) Welt!«
    Für jede konkrete Idee, wie jemand Salz sein könnte, und ihre/seine Welt etwas würzen (also z.B. verbessern, in Bewegung bringen, aufmuntern, anstoßen …) könnte, darf ein Salzkorn auf dem Plakat abgelegt werden.
    Für jede konkrete Idee, wie jemand Licht sein könnte, und ihre/seine Welt etwas aufhellen (also z.B. Freude machen, Teil haben lassen, trösten, etwas Gutes tun …) könnte, darf ein Teelicht angezündet und auf das Plakat gestellt werden.

Wichtig: Die Vorschläge, die die Kinder machen, sind ihre eigenen – subjektiven – Übersetzungen von Salz und Licht. Es wird wahrscheinlich unterschiedliche Sichtweisen und dementsprechend verschiedene Vorschläge geben. Es ist nicht Aufgabe des Gruppenleiters bzw. der Gruppenleiterin, hier zwischen richtig und falsch zu unterscheiden, und damit möglicherweise Mädchen und Buben in ihrem Engagement zu entmutigen.

Autorin

Otto Kromer ist Bildungsreferent der Katholischen Jungschar Österreichs.

Erstveröffentlichung Sonntag, 6.2.2005