Matthäus 3, 1-12

In jenen Tagen trat Johannes der Täufer auf und verkündete in der Wüste von Judäa: 2Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe. 3Er war es, von dem der Prophet Jesaja gesagt hat: Eine Stimme ruft in der Wüste: / Bereitet dem Herrn den Weg! / Ebnet ihm die Straßen! 4Johannes trug ein Gewand aus Kamelhaaren und einen ledernen Gürtel um seine Hüften; Heuschrecken und wilder Honig waren seine Nahrung. 5Die Leute von Jerusalem und ganz Judäa und aus der ganzen Jordangegend zogen zu ihm hinaus; 6sie bekannten ihre Sünden und ließen sich im Jordan von ihm taufen. 7Als Johannes sah, dass viele Pharisäer und Sadduzäer zur Taufe kamen, sagte er zu ihnen: Ihr Schlangenbrut, wer hat euch denn gelehrt, dass ihr dem kommenden Gericht entrinnen könnt? 8Bringt Frucht hervor, die eure Umkehr zeigt, 9und meint nicht, ihr könntet sagen: Wir haben ja Abraham zum Vater. Denn ich sage euch: Gott kann aus diesen Steinen Kinder Abrahams machen. 10Schon ist die Axt an die Wurzel der Bäume gelegt; jeder Baum, der keine gute Frucht hervorbringt, wird umgehauen und ins Feuer geworfen. 11Ich taufe euch nur mit Wasser (zum Zeichen) der Umkehr. Der aber, der nach mir kommt, ist stärker als ich und ich bin es nicht wert, ihm die Schuhe auszuziehen. Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen. 12Schon hält er die Schaufel in der Hand; er wird die Spreu vom Weizen trennen und den Weizen in seine Scheune bringen; die Spreu aber wird er in nie erlöschendem Feuer verbrennen.

Gedanken zum Text

»Tut Buße»

Der mahnende Aufruf zur Umkehr von Johannes dem Täufer erinnert mich sofort an die mahnenden Aufrufe des UNO-Klimarates. Es ist höchste Zeit etwas zu ändern, die bisherigen Wege zu verlassen und umzukehren – zu einer Lebensweise, mit der wir nicht unseren Planeten zerstören. Fast täglich werden wir in Zeitungs- und Fernsehberichten vor den Folgen des Klimawandels gewarnt. Häufigere Unwetter, schmelzende Gletscher, Ackerbau in Grönland usw. sind nur einige der Veränderungen, die schon jetzt wahrzunehmen sind. »Es ist schon die Axt den Bäumen an die Wurzel gelegt« – dieses Zitat passt gut zum Inhalt vieler Zeitungartikel.

Als Empfänger all dieser Botschaften kann man die Wahrheit zwar nur irgendwo zwischen den vertuschend-beruhigenden Meldungen und den hysterisch-alarmierenden Meldungen vermuten. Aber es wird wohl kaum jemand von der Hand weisen, dass es um unsere Welt nicht zum Besten steht, und dass eine Umkehr in unserem Umgang mit den Ressourcen dieser Welt dringend geboten ist. Tut Buße – oder (wie es die Gute Nachricht in Modernerem Deutsch widergibt): »Ändert euer Leben!«

Freilich hat Johannes mit seiner Predigt vor 2000 Jahren nicht eine Umkehr in Sachen Umweltschutz im Blick gehabt, sondern es ging ihm um eine religiöse Bekehrung. Aber die Gegenüberstellung mit dem Umweltschutz macht durchaus Sinn.

Einerseits wird gerade an diesem Beispiel deutlich, dass es nicht nur darum geht, seine Meinung in einer Frage zu ändern, sondern vor allem das Handeln. Metanoeo, das griechische Wort, das Luther mit »Buße tun« widergibt, verstehe ich sehr ganzheitlich als umdenken und auf andere Weise handeln. Beim Umweltschutz wäre es nicht damit getan, einfach nur eine neue Meinung zu haben, sondern auch entsprechende Taten folgen zu lassen – damit wäre niemandem geholfen. Ebenso mahnt Johannes, »rechtschaffene Frucht der Buße zu bringen.«

Und andererseits haben auch unsere Sorgen in Sachen Globaler Erwärmung etwas mit unseren religiösen Verirrungen zu tun. Denn auch die Gefährdung unserer Natur ist eine Folge einer verfehlten Lebenshaltung – und diese verfehlte Lebenshaltung heißt Misstrauen – und zwar Misstrauen gegenüber Gott. Die Bibel würde Sünde dazu sagen.

Dieses Problem des Misstrauens gegenüber Gott fängt schon bei Adam und Eva an. Adam und Eva sitzen im Paradies, sie haben von allem im Überfluss, und es mangelt ihnen an nichts. Gott hat alles gut für sie gemacht. Und dennoch kriecht plötzlich in ihnen der Verdacht hoch, dass Gott ihnen etwas vorenthält. Der Garten Eden ist voller Köstlichkeiten – und nur ein einziger Baum steht im Garten, von dem sie nicht essen dürfen. Und das reicht aus, dass ihnen der Verdacht kommt, Gott würde es nicht gut mit ihnen meinen. »Könnte es nicht sein, dass das Leben viel besser und schöner ist, wenn wir doch von diesem Baum essen?«

Dieses Misstrauen, dass uns etwas vorenthalten bleibt, oder dass wir übervorteilt werden, sitzt tief in unseren menschlichen Knochen. Heute hört es sich vielleicht ein bisschen anders an: »Ich muss mir soviel wie möglich vom Kuchen des Wohlstands sichern – denn es könnte sein, dass es nicht für alle genug auf der Erde gibt.« »Ich muss das, was ich habe, gut festhalten – denn es könnte sein, dass es mir jemand wegnimmt.« »Wir dürfen möglichst keine Ausländer in unser Land lassen – denn es könnte sein, dass sie uns dann die Arbeit, den Wohlstand, die Kultur, die Sprache oder was auch immer wegnehmen.«

All das sind Formen des einen Grundverdachts: »Könnte es sein, dass Gott es nicht gut mit mir meint? Könnte es sein, dass es gar keinen gerechten und gütigen Gott gibt?«

Misstrauen führt zu ängstlicher Selbstsucht – und diese Haltung ängstlicher Selbstsucht führt dazu, dass Menschen nur mehr die Frage stellen: »Was bringt es mir« – nicht mehr aber die Frage: »Was schadet es anderen«. Und mit dieser Haltung schaden sie nicht nur anderen, sondern sie schneiden sich auch selbst ins eigene Fleisch.

Auch hier ist wieder der Klimaschutz ein passendes Beispiel: Denn jene Menschen, die aus Angst vor finanziellen oder anderen Nachteilen sich nicht um Umweltschutz kümmern, verschmutzen ja nicht nur die Umwelt anderer, sondern auch ihre eigene.

Die große Umkehr, die dringend geboten ist, ist die von der Lebenshaltung des Misstrauens zur Lebenshaltung des Vertrauens. Wenn ich darauf vertraue, dass Gott es gut meint, brauche ich nicht mehr ängstlich auf meinen Vorteil schauen. Wenn ich darauf vertraue, dass Gott mich in jeder Situation schützt und trägt (sogar wenn ich in den tiefen Abgrund des Todes falle), brauche ich mich nicht mehr zu verteidigen – und die Idee eines Präventivkrieges zeigt ihre ganze Perversität.

Gott selbst lädt uns zum Vertrauen ein und will uns helfen, solches Vertrauen zu gewinnen. Gleich einer vertrauensbildenden Maßnahme kommt er uns entgegen. Er tut dies, indem er in Jesus Christus Mensch wird und uns zeigt, wie sehr er uns liebt. So sehr liebt uns Gott, dass er Mensch wird und sich uns in der Schwachheit eines Kindes anvertraut. So sehr liebt uns Gott, dass er unsere Ablehnung und unser Misstrauen in den Schmerzen am Kreuz aushält und uns dennoch nicht verlässt. Gottes Entgegenkommen erspart es uns zwar nicht, von heillosen Wegen umzukehren und unser Leben neu zu gestalten (nicht nur in Sachen Umweltschutz). Aber es ermöglicht uns diese Umkehr, weil durch Gottes vertrauensbildende Maßnahmen unser Misstrauen überwunden werden kann.

Methodisch-didaktische Hinweise

Zu Beginn empfiehlt sich ein kleines Spiel, bei dem die Jugendlichen vor die Aufgabe gestellt werden, umzudenken:

Die Gruppe bekommt drei Bälle und die Aufgabe, sie so schnell wie möglich einmal durch die Hände aller Anwesender gehen zu lassen – das ganze wird gestoppt. Beim ersten Versuch werden die Bälle wahrscheinlich einfach nur weitergegeben oder geworfen, was sehr lange dauert. Mit einigem umdenken und ausprobieren wird sich aber eine Methode finden, wie die Bälle in wenigen Zehntelsekunden durch viele Hände gehen (Viel Spaß beim ausprobieren!)

Das Thema Umweltschutz ist den Jugendlichen ausreichend bekannt, um ihnen in diesem Zusammenhang zu erläutern, was Umkehr bedeutet: Die Jugendlichen bekommen eine ganze Reihe von entsprechenden Zeitungsartikeln und Bildern (angesichts der gerade stattfindenden Klimakonferenz in Bali findet man davon genug). Dazu bekommen sie den Auftrag, einzeln oder in Gruppen Collagen zu basteln, auf denen deutlich wird, was die Ursachen für die Globale Erwärmung sind, und was zu tun ist, um diese zu stoppen. Möglichst soll deutlich werden, was jede(r) einzelne selbst dazu beitragen könnte.

Anschließend sollen sie sich die Collagen gegenseitig vorstellen und diskutieren, warum es offensichtlich so schwer ist, diese Dinge umzusetzen. Vermutlich kommen sie von alleine drauf, dass niemand auf etwas verzichten will oder dafür bezahlen will. (Wenn nicht, muss man sie halt darauf hinweisen).

Dann kann mit folgendem altbewährten Trick das Thema Misstrauen eingeführt werden. Man zücke einen Geldschein nicht zu geringer Höhe und frage die Jugendlichen: »Glaubt ihr, dass ich euch diesen Zehner schenke? Wer es von euch glaubt, kann ihn sich holen?« Erfahrungsgemäß werden sie zögern, bis sich nach längerem Zureden einer traut. Der bekommt ihn dann (nicht zurückfordern!!!)

Und dann kann man darauf hinweisen, dass das Problem ihr Misstrauen war. Wir erwarten grundsätzlich nicht, dass es ein anderer einfach so gut mit uns meint – sondern wir sind immer darauf gefasst, dass andere uns übervorteilen wollen. Und darum ist jeder fein säuberlich darauf bedacht, seinen eigenen (vermeintlichen) Vorteil zu sichern – siehe Umweltschutz: niemand will als erster auf etwas verzichten oder dafür bezahlen.

Danach kleine Diskussionsrunde: Was passiert, wenn jeder nur auf seinen eigenen Vorteil schaut? (Mögliche Antwort: – es scheinen immer die Starken zu gewinnen, die Schwachen zu verlieren, aber: in Wirklichkeit verlieren alle. Denn (Bsp. Umweltschutz): Wer aus Angst vor finanziellem Nachteil auf Umweltschutz verzichtet, versaut nicht nur die Umwelt der anderen, sondern auch die eigene.)

Wie lernt man Vertrauen? ⇒ Durch Erfahrung, darum Vertrauensspiele spielen. (Eine ganze Auswahl findet man hier: http://www.materialboerse.ejo.de/Spielesammlung/php-Rahmen/index.php?section-r=menu-07)

Den Abschluss kann dann eine Andacht sein, in der der Gedanke angesprochen will, dass auch Gott will, dass wir ihm vertrauen: Dass wir darauf vertrauen, dass er es gut mit uns meint, für uns sorgt und uns nicht fallen lässt – weil er uns liebt. Wir brauchen keine Angst zu haben, dass wir zu kurz kommen. Wir müssen uns aber auch bewusst machen, dass wir uns auch selbst schaden können, wenn wir nicht darauf achten, ob wir anderen Schaden zufügen.

Autor

Stefan Schröckenfuchs von der Evangelisch-methodistischen Kirche ist Pastor auf Probe in Wien.

Erstveröffentlichung 9. 12. 2007