Matthäus 22, 34-40

Als die Pharisäer hörten, dass Jesus die Sadduzäer zum Schweigen gebracht hatte, kamen sie (bei ihm) zusammen. 35Einer von ihnen, ein Gesetzeslehrer, wollte ihn auf die Probe stellen und fragte ihn: 36Meister, welches Gebot im Gesetz ist das wichtigste? 37Er antwortete ihm: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deinen Gedanken. 38Das ist das wichtigste und erste Gebot. 39Ebenso wichtig ist das zweite: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. 40An diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz samt den Propheten.

Gedanken zum Text

Die Pharisäer und die Sadduzäer waren zwei unterschiedliche jüdische Gruppierungen, die stets im Zwiespalt zueinander standen und dennoch immer miteinander auskommen mussten. Waren die Pharisäer die größere Gruppierung mit mehr Einfluss auf das Volk, so können die Sadduzäer als kleine Gruppe mit größerem politischem und religiösem Einfluss angesehen werden. Daher verwundert die Schadenfreude der Pharisäer, dass Jesus »die Sadduzäer zum Schweigen gebracht hatte« keinesfalls. Dennoch stellt sich Jesus über diese Streitigkeit und verweist auf die Wichtigkeit des für beide Gruppen gleich zu interpretierenden, ersten Gebots, dass man »den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deinen Gedanken« solle.

Diese Stellungnahme kann ähnlich wie die Ringparabel in G.E. Lessings Werk Nathan der Weise gelesen werden: Es gibt keine beste Religion, keinen besten Glauben. Was uns eint, ist der Glaube an und die Liebe zu dem einen Gott, der uns allen nahe ist. Mit dieser Ansicht können wir auch das zweite Gebot, das Jesus den Pharisäern und uns mit auf den Weg gibt, beherzt in unseren Alltag übernehmen: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.« Die Textstelle ist ein Plädoyer gegen Hass und Feindschaft, gegen Leid und Unmenschlichkeit, gegen trennende Vorgaben. Diese Rückbesinnung auf das Wesentliche macht die Worte Jesus im Bibeltext Mt. 22, 34-40 auch heute noch aktuell.

Methodisch-didaktische Hinweise

Lasst uns einen Baum basteln: Die Kinder und Jugendlichen sollen in ca. 5 Minuten auf (möglichst viele bunte) Karteikarten jeweils ein Wort aufschreiben, was für sie wichtig ist, was für sie Liebe bedeutet. Wer ist für mich wichtig, wer liebt mich, wen liebe ich, auf wen kann ich bauen, wem will ich vertrauen, was kann ich zwischenmenschlich verbessern etc.? Danach gilt es, dieser einer persönlichen »Reihung« zu unterziehen und schlussendlich im Plenum in Gruppen einzuteilen.

Danach werden die Karteikarten in eine Baumform geklebt, deren Wurzeln die essenziellen, wichtigen Werte darstellen, und deren Verästelungen all jene Elemente beinhalten, die für Kinder und Jugendliche auch zu dieser Thematik gehören. In den Himmel »wachsen« zukunftsweisende Worte, d.h. all jene Gedanken zur Verbesserung der Beziehung(en).

Daraus ergibt sich ein (farbenfroher) Baum, der alle Grundgedanken der Kinder und Jugendlichen zum Thema »Liebe« und »Liebe zu Gott« enthält.

Autorin

Sylvia Pilar von der Alkatholischen Jugend studiert Publizistik- und Kommunikationswissenschaft an der Universität Wien

Erstveröffentlichung Sonntag, 26. Oktober 2008