Matthäus 22, 15-21

Damals kamen die Pharisäer zusammen und beschlossen, Jesus mit einer Frage eine Falle zu stellen. 16Sie veranlassten ihre Jünger, zusammen mit den Anhängern des Herodes zu ihm zu gehen und zu sagen: Meister, wir wissen, dass du immer die Wahrheit sagst und wirklich den Weg Gottes lehrst, ohne auf jemand Rücksicht zu nehmen; denn du siehst nicht auf die Person. 17Sag uns also: Ist es nach deiner Meinung erlaubt, dem Kaiser Steuer zu zahlen, oder nicht? 18Jesus aber erkannte ihre böse Absicht und sagte: Ihr Heuchler, warum stellt ihr mir eine Falle? 19Zeigt mir die Münze, mit der ihr eure Steuern bezahlt! Da hielten sie ihm einen Denar hin. 20Er fragte sie: Wessen Bild und Aufschrift ist das? 21Sie antworteten: Des Kaisers. Darauf sagte er zu ihnen: So gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört!

Gedanken zum Text

Mit einer hinterhältigen Frage versuchen die Pharisäer Jesus zu täuschen und ihn in eine Falle zu locken. Dieser erkennt deren Absicht allerdings und weist sie deutlich in ihre Schranken.

Im Leben werden auch uns täglich Fallen gestellt. Immer wieder versuchen unsere Mitmenschen uns zu hintergehen, uns zu täuschen, uns vorzuführen und damit besser dazustehen. Wofür der ganze Aufwand, oft verbunden mit Lügen, die sie direkt und ohne zu zögern in die Gesichter des Gegenüber sprechen. Kein Zögern hält sie zurück. Dabei fehlt nur der tiefe Blick in die Augen, der diese Situationen so verräterisch und eindeutig werden lässt. Schnell erkennt man das vor allem bei Kindern: Sie werden plötzlich unruhig, treten am Platz, können dem fragenden Blick der Eltern, Großeltern, Geschwister usw. keinen Moment standhalten und wissen sofort, dass das nicht richtig ist. Sie sind noch leicht zu durchschauen.

Wir, die Erwachsenen, die eigentlich reifen und deutlich klüger sein sollten, verlieren diesen essenziellen Bestandteil unserer Kindheit: Wir verlernen, was es bedeutet, ehrlich und aufrichtig zu sein und dennoch hoffen wir, dass die Menschen uns gegenüber all die Tugenden haben, die wir ihnen nicht entgegenbringen.

Dennoch gibt es Menschen, die, wie Jesus selbst, die Absichten hinter Falschaussagen zu durchschauen. Es hat sich allgemein eine größere Sensibilisierung in diesem Thema entwickelt, schließlich will man ja aufgrund der Körpersprache die anderen möglichst schnell durchschauen.

Aber warum wollen wir in dieser schnelllebigen Welt denn wirklich Zeit für Studien von Unmengen an Büchern opfern, so dass wir anhand der kleinsten Arm-, Lippen- oder Augenbewegung den anderen durchschauen? Wäre es da nicht einfacher, sofort damit anzufangen, ehrlich und aufrichtig zu sein, daran zu glauben, dass die Werte der „alten Schule“ nicht verstaubt sind? Was hindert uns daran? Wenn wir uns dies geben, wäre die Gesellschaft vielleicht nicht mehr so schrecklich wie sie jetzt zu sein scheint. Geben wir doch einander das, was uns gehört …

Methodisch-didaktische Hinweise

Stille und Ruhe sind am Wichtigsten. Das Buch über Körpersprache einfach mal weglegen und versuchen zu überlegen:

  • Wann habe ich bis jetzt gelogen?
  • Wann habe ich versucht, den anderen in eine Falle zu locken?
  • Wann habe ich das zu unserem persönlichen Vorteil getan?
  • Was hat es mir gebracht?
  • Wie ist es mir danach gegangen?

Oft sind es Situationen, die im Kopf bleiben, manchmal verschwimmen sie aber auch einfach nur. Versuchen wir, diese Erinnerungen zu behalten und uns einzuprägen, so dass wir unsere Erfahrungen machen können und auf dass sie unsere Lehrer für eine ehrlichere Zukunft ist. Ehrlichkeit kann niemals falsch sein und ist stets der richtige Weg.

Autorin

Sylvia Pilar von der Alkatholischen Jugend studiert Publizistik- und Kommunikationswissenschaft an der Universität Wien

Erstveröffentlichung Sonntag, 16. Oktober 2005