Markus 1, 1-11

Anfang des Evangeliums von Jesus Christus, dem Sohn Gottes: 2Es begann, wie es bei dem Propheten Jesaja steht: Ich sende meinen Boten vor dir her; / er soll den Weg für dich bahnen. 3Eine Stimme ruft in der Wüste: / Bereitet dem Herrn den Weg! / Ebnet ihm die Straßen! 4So trat Johannes der Täufer in der Wüste auf und verkündigte Umkehr und Taufe zur Vergebung der Sünden. 5Ganz Judäa und alle Einwohner Jerusalems zogen zu ihm hinaus; sie bekannten ihre Sünden und ließen sich im Jordan von ihm taufen. 6Johannes trug ein Gewand aus Kamelhaaren und einen ledernen Gürtel um seine Hüften und er lebte von Heuschrecken und wildem Honig. 7Er verkündete: Nach mir kommt einer, der ist stärker als ich; ich bin es nicht wert, mich zu bücken, um ihm die Schuhe aufzuschnüren. 8Ich habe euch nur mit Wasser getauft, er aber wird euch mit dem Heiligen Geist taufen. 9In jenen Tagen kam Jesus aus Nazaret in Galiläa und ließ sich von Johannes im Jordan taufen. 10Und als er aus dem Wasser stieg, sah er, dass der Himmel sich öffnete und der Geist wie eine Taube auf ihn herabkam. 11Und eine Stimme aus dem Himmel sprach: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden.

Gedanken zum Text

Endlich! Disneys König der Löwen ist wieder in die Kinos gekommen! Nicht umsonst ist dieser Zeichentrickfilm der bislang kommerziell erfolgreichste weltweit. Spricht er doch eine Reihe von existentiell berührenden Themen menschlichen Lebens an, die ihm letztlich auch den Ruf eines religiösen Filmes eingetragen haben.

Eine Szene erinnert unmittelbar an die Taufe Jesu, wie sie Markus in seinem Evangelientext beschreibt. Simba, der junge Löwenkönig, ist herausgefordert, seinen führenden Platz im Reich der Tiere einzunehmen und dort die gute Ordnung seines Vaters wieder herzustellen, die durch Intrige, Gier und Gewalt des bösen Onkels Scar zerstört wurde.

Simba fühlt sich diesem Auftrag nicht gewachsen und weigert sich zurückzukehren. Zudem leidet er noch immer darunter, von seinem Vater in höchster Not verlassen worden zu sein. Der weise Affe Raffiki – ein guter Therapeut und Seelsorger – führt ihn an einen See, wo Simba in seinem Spiegelbild den Geist seines toten Vaters erkennt. In diesem Moment erscheint dieser auch über den Wolken, spricht mit seinem Sohn und fordert ihn auf in Erinnerung an ihn, seinen Vater, seinen Platz und seine Verantwortung als König zu übernehmen.

Wo bist Du Gott? Was sprichst Du zu mir?

Es geschieht wahrlich äußerst selten, dass Gott so über den Wolken erscheint und noch dazu eine Botschaft mit dabei hat: Liebe Julia, lieber Kurt, … ich freue mich über dich … mach nur so weiter … Ich habe Großes mit dir vor … ich möchte, dass du …. usw. Nein – das wäre denn doch zu einfach, vielleicht auch megapeinlich, wenn gerade die besten Freund/innen dabei zusehen. Und doch haben wir dieses Bedürfnis – gerade auch in Situationen, wo wir niedergeschlagen sind, nicht weiterwissen, ratlos vor mehreren Möglichkeiten der Entscheidung stehen, … , Gottes Zuspruch zu erfahren.

Nicht zufällig setzt Markus dieses Erlebnis an den Beginn des Wirkens Jesu. Als einer aus einer Gruppe offensichtlich neugieriger, von den gesellschaftlichen Entwicklungen beunruhigter und suchender Menschen wird er uns vorgestellt, der – bevor er auch nur einen Satz spricht – sich erst einmal taufen lässt. Einen konkreten Schritt in eine neue (Denk)Richtung setzt, einen Anfang wagt, aus dem Bisherigen heraustritt. Auch wenn das vielleicht ziemlich skurril war, denn dieser Johannes verkörperte wohl auch alles andere als einen seriösen Vertreter des damaligen religiösen Establishments. Und da plötzlich tut sich der Himmel auf …

Was können wir aus dieser Szene für unser Leben ableiten?

  • Gott meldet sich unangekündigt, vermutlich genau in solchen Momenten, wo wir es am allerwenigsten vermuten.
  • Gott stellt keine Forderungen, er gibt positiven Zuspruch.
  • Gott spricht zu jeder und zu jedem persönlich. Umstehende kriegen in der Regel davon nichts mit.
  • Eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass Gott sich meldet, ist dadurch gegeben, dass ich mich schon auf den Weg gemacht habe, mein Leben ein Stück zu verändern …

Methodisch-didaktische Hinweise:

Wer spricht denn da?

Jedes Gruppenmitglied bekommt ein Leprello (Das ist ein längerer Papierstreifen, der im Zick-Zack-Falz gefaltet ist, und den man auch so herstellen kann, dass man mehrere A4-Blätter mit Klebeband aneinanderklebt und an den Klebestellen faltet) mit insgesamt 8 Seiten. Auf jeder Seite ist mittig eine Wolke skizziert.

Die Mädchen und Buben werden zu folgender Einzelarbeit eingeladen.

In Stille soll jede und jeder überlegen, welche Personen bisher für sie oder ihn besonders wichtig geworden sind. (Das können Familienmitglieder sein, Freunde/Freundinnen, Lehrer(innen), sonstige Personen …). Danach soll für jeweils eine von ihnen eine Seite in dem Leporello gestaltet werden. Über der Wolke kann das Gesicht oder die ganze Figur gezeichnet (gemalt) werden, unter der Wolke werden dann jene bedeutsamen Sätze notiert, die der/die einzelnen aus der Begegnung mit dieser Person besonders wichtig geworden und in Erinnerung geblieben sind.

Wenn die Leporellos fertig gestaltet sind, setzen sich die Mädchen und Buben im Sesselkreis zusammen, zeigen einander ihre Bilder und wählen für eine kleine Vorstellung vielleicht jene Person aus, die für sie gerade jetzt eine besondere Bedeutung hat …

Und dann: König der Löwen schauen!

Autor

Otto Kromer ist Bildungsreferent der Katholischen Jungschar.