Exodus 32, 7-11.13-14

In jenen Tagen 7sprach der Herr zu Mose: Geh, steig hinunter, denn dein Volk, das du aus Ägypten heraufgeführt hast, läuft ins Verderben.
8Schnell sind sie von dem Weg abgewichen, den ich ihnen vorgeschrieben habe. Sie haben sich ein Kalb aus Metall gegossen und werfen sich vor ihm zu Boden. Sie bringen ihm Schlachtopfer dar und sagen: Das sind deine Götter, Israel, die dich aus Ägypten heraufgeführt haben.
9Weiter sprach der Herr zu Mose: Ich habe dieses Volk durchschaut: Ein störrisches Volk ist es. 10Jetzt lass mich, damit mein Zorn gegen sie entbrennt und sie verzehrt. Dich aber will ich zu einem großen Volk machen. 11Da versuchte Mose, den Herrn, seinen Gott, zu besänftigen, und sagte: Warum, Herr, ist dein Zorn gegen dein Volk entbrannt? Du hast es doch mit großer Macht und starker Hand aus Ägypten herausgeführt. 13Denk an deine Knechte, an Abraham, Isaak und Israel, denen du mit einem Eid bei deinem eigenen Namen zugesichert und gesagt hast: Ich will eure Nachkommen zahlreich machen wie die Sterne am Himmel, und: Dieses ganze Land, von dem ich gesprochen habe, will ich euren Nachkommen geben, und sie sollen es für immer besitzen.
14Da ließ sich der Herr das Böse reuen, das er seinem Volk angedroht hatte.

Gedanken zum Text

»Was macht’s denn da wieder für an Blödsinn!« Kinder sind tagtäglich dem Vorwurf Erwachsener ausgesetzt – und wissen oft gar nicht recht, was sie gerade mal wieder »falsch gemacht« haben. Da ist es dann am Besten, den Kopf einzuziehen und sich irgendwie aus der Schusslinie zu nehmen, wenn eine(r) von den Großen loszupoltern beginnt. Was die alles aufregen kann: lautes Reden beim Spielen, Herumrennen, Balancieren auf Parkbänken, durchs hohe Gras kugeln, sich von oben bis unten pitschnass machen, einander mit Schlamm bewerfen, Elektrogeräte zerlegen, Kaugummis unter die Tischplatte kleben, kleine Männchen auf Hauswände zeichnen, Turnen auf der Teppichstange, Radfahren im Hof, Fußballspielen mit einer Blechdose, zündeln, schnitzen, über Zäune klettern, … Genervt fragen Erwachsene, warum sich der wertgeschätzte Nachwuchs nicht mit »was Vernünftigem« beschäftigen könnte.

Es ist ein bedeutsames Vorrecht Heranwachsender, nicht vernünftig zu sein. Sich eben nicht einfach so den bestehenden Regeln der Erwachsenenwelt zu unterwerfen. Kindheit und Jugendalter sind Zeiten des Ausprobierens, der Grenzüberschreitung, der Provokation. Zeiten lehrreicher Erfahrungen, die gerade auch aus scheinbar unsinnigen, zweckfreien oder gar verbotenen Aktivitäten entstehen können. Klar, dass Erwachsene gerade dann in die Krise kommen, wenn die eigenen Kinder Regeln missachten oder in ihrem kreativen Tun in Konflikt mit bestehenden Normen des Zusammenlebens geraten. Was treibt die Heranwachsenden dazu, alles (Un-)Mögliche auszuprobieren? Die Neugierde auf die Welt, die Neugierde auf das Zusammenleben der Menschen, die Neugierde auf das Funktionieren der Dinge. Und dazu ein ganz natürlicher Zweifel an all dem, was ihnen Erwachsene darüber bisher berichtet und gezeigt haben. Neugierde und Zweifel am Bestehenden versetzen Mädchen und Burschen in jene heilsame Unruhe, die letztlich dazu führt, dass unsere Welt nicht so bleibt, wie sie ist.

Verständlich, dass Gott »narrisch« wird, wenn sein Volk, das er mit viel Aufwand aus Ägypten herausgeführt hat, nun mit neuen, mit anderen Göttern experimentiert, anstatt sich an den zu erinnern, dem es eigentlich zu Dank verpflichtet ist. Und Mose muss schon recht heftig argumentieren, um diesen zornigen Gott weiter bei der Stange zu halten. Schließlich zeigt Gott Einsicht. Ihn reut das Böse, das er in seinem ersten aufwallenden Zorn dem Volk angedroht hat. Es ist die Einsicht dessen, der den Menschen als seinen Partner in Freiheit erschaffen hat. Es ist letztlich die schmerzhafte Einsicht jeder Mutter und jedes Vaters, dass das Kind seinen eigenen Weg gehen muss, egal wie viel und wie gut er von den Eltern schon vorgezeichnet wurde.

Methodisch-didaktische Hinweise

Für die GruppenleiterInnen-Runde:

Wie deuten wir auffälliges oder störendes Verhalten von Kindern? Jedes Mitglied der Gruppenleiter(innen)-Runde überlegt zunächst für sich ein Beispiel aus jüngster Vergangenheit, wo es ein Kind aus der Gruppe besonders gestört, genervt, aufgeregt, … hat: Wenn jede(r) sich diese Szene gut vergegenwärtigt hat, dann sollten ein paar Fragen beantwortet werden:

  • Was empfinde ich genau als schwierig im Zusammensein mit diesem Buben/diesem Mädchen?
  • Welche Gefühle kommen in mir hoch, wenn ich das Verhalten des Kindes beobachte bzw. mich daran erinnere?
  • Empfinden auch andere in der Gruppe das Verhalten des Kindes ähnlich wie ich? Was weiß ich über deren Sichtweise, Gefühle?
  • Würde ich das Verhalten des Kindes anders beurteilen, wenn es nicht ein Mädchen, sondern ein Bub wäre (bzw. umgekehrt)? Warum?
  • Welches Verhalten würde ich mir eigentlich erwarten? Welches Verhalten wäre für mich gerade noch akzeptabel? Warum?
  • Wenn ich versuche, mich in die Situation des betroffenen Kindes hineinzuversetzen: Wie würde ich ihr/sein Verhalten deuten?

In einem dritten Schritt erfolgt ein Austausch innerhalb der Gruppenleiter(innen)-Runde. Dabei wird so vorgegangen: Eine(r) erzählt kurz seine/ihre Situation und fasst die gewonnenen Erkenntnisse aus der Beantwortung der Fragen zusammen. Dann beraten alle anderen Gruppenmitglieder die Situation, wobei die/der Betroffene nur zuhört und sich Notizen macht. Zum Schluss kann er/sie der Runde noch ein Feed-back darüber geben, was sie/er an hilfreichen Hinweisen aus dieser Runde mitnehmen kann.

Mit Mädchen und Buben:

»Was ich schon immer wissen wollte …«

Die Gruppe fertigt sich ein einfaches Kartenspiel. Jedes Gruppenmitglied nimmt sich mehrere vorbereitete Kärtchen und schreibt auf, worauf sie/er zur Zeit besonders neugierig ist. Das können Fragen sein, die das Zusammenleben der Menschen betreffen, das Funktionieren von Gegenständen, die Abfolge von Tätigkeiten, das Wissen über die Welt … immer nur eine neugierige Frage pro Kärtchen, möglichst gut leserlich draufgeschrieben.

Wenn einige Karten zusammengekommen sind, werden sie gut gemischt und als Stapel verdeckt in die Mitte der Runde gelegt. Nun zieht jede(r) reihum eine Karte aus dem Stapel, liest die darauf gestellte Frage laut vor – und erläutert, wie sie/er vorgehen würde, um sie zu beantworten. Hat sie/er einen Vorschlag gemacht, kann in der Runde darüber diskutiert werden, ob es die anderen auch so oder ganz anders machen würden.

(Achtung: Es geht nicht darum, gleich die Antwort auf die gestellte Frage zu wissen, sondern es geht darum, möglichst viele verschiedene Strategien zu überlegen, wie man zu der Antwort kommen könnte!)

Das Spiel kann so lange gespielt werden, solange es Spaß macht – oder bis alle Fragen beantwortet sind, oder bis die Zeit um ist …

Autor

Otto Kromer ist Bildungsreferent der Katholischen Jungschar Österreichs.

Erstveröffentlichung Sonntag, 16. September 2007