Matthäus 1, 18-24

Warum fällt es Männern so schwer Väter zu sein? Und zwar so richtig: Das Baby in die Arme nehmen, herumtragen und trösten, wenn es weint und Bauchweh hat, füttern, wenn es hungrig ist, Windeln wechseln, in den Schlaf wiegen, waschen, umziehen, pflegen, streicheln und liebkosen …

Keine Frage, Männer sind schon verantwortliche Väter: Sie verdienen das Geld für die Familie, kaufen das größere Auto, um den Nachwuchs bequem durch die Gegend zu kutschieren, machen Überstunden, weil die Lebenserhaltungskosten steigen und planen Abenteuerliches für das Wochenende mit ihren Lieblingen. Ja, das ist Verantwortung! Und trotzdem – die Beziehungs- und Pflegearbeit überlassen sie gerne ihren Frauen. Weil zu viele von ihnen der Überzeugung sind, dass die Erziehung und Versorgung von Kindern eigentlich Frauensache ist. So als ob es einen genetischen Code für das fachgerechte Verpacken von Kinderpopos in Wegwerfwindeln gäbe.

Der Engel leistet erstaunliche Überzeugungsarbeit. Immerhin braucht er eine ganze Nacht dazu, den Josef dazu zu bringen, seine Frau mit dem Kind nicht allein zu lassen. Keine Frage – nach damaligem Recht gab es tausend gute Gründe, die den Josef von den Pflichten einer Vaterschaft entbunden hätten. Aber gibt es die nicht auch heute? Lebensstandard erhalten, Arbeitsplatz sichern, männliches Rollenverständnis, Mobilität, Gewinnstreben … Die Vereinbarkeit von Kindern, Beruf und Haushaltsarbeit ist immer noch ein selbstverständliches Problem der Frauen – und keines von Männern. In den Firmenplanungen gibt es nur Karenzmütter, keine Karenzväter. Und an den Stammtischen gilt Mann schnell als Pantoffelheld, wenn er sich zuviel mit Kindern und Haushaltskram abgibt. Der Frau helfen – naja vielleicht, aber zu Hause bleiben und kleine Kinder betreuen und pflegen? Es gibt zuwenig Engel, die nächtens den Männern ins Gewissen reden.

Der Sohn, der Maria verheißen ist, wird als ein besonderer Sohn beschrieben. Er wird sogar einmal »Sohn Gottes« genannt werden. Ist es das, was den Josef letztlich überzeugt? Da muss man doch glatt noch die Gegenfrage stellen, was mit all den anderen Buben und Mädchen ist, die heute geboren werden. Die sind doch auch so etwas Besonderes: einmalig, einzigartig und unverwechselbar! Söhne und Töchter desselben Gottes. Wäre doch eigentlich Grund genug für einen Vater die Arbeit einmal beiseite zu lassen und sich um Frau und Kind zu kümmern. Aber vermutlich geht das ohne diesen Engel nicht so einfach …

Methodisch-didaktische Hinweise

(für die Arbeit in der Kindergruppe)

Nehmt die Geschichte dieser Engelserscheinung zum Anlass, ein wenig über eure Beziehung zu euren Vätern nachzudenken. Welches Bild habe ich von meinem Vater? Was wünsche ich mir von ihm? Was freut mich am Zusammensein? Was stört mich? Was geht mir auf die Nerven? Was würde ich selber gerne anders machen, wenn ich Vater wäre …

Dazu ist vielleicht folgende Übung hilfreich:

»Mein Papa/Mama-Wochenplan«

Die Buben und Mädchen erstellen jeweils für sich persönlich den Wochenplan der letzten Woche, in den sie möglichst genau eintragen, wann sie wie viel Zeit mit welcher Betätigung mit Papa und/oder Mama verbracht haben.

In einem ersten Schritt zeichnen sie ihre Aktivitäten in ein Kalenderblatt (Stehkalender, Wochenplaner, …) ein und markieren mit unterschiedlicher Farben (alleine, Mama, Papa, Freunde/Freundinnen, …). Danach wird sortiert:

  • Was habe ich insgesamt mit der Mama unternommen?
  • Was habe ich insgesamt mit dem Papa unternommen?
  • Was habe ich insgesamt mit beiden unternommen?

In einem dritten Schritt werden die Kinder gebeten, über die gesamte Wochenzeit ein Diagramm (z.B. Kreis mit Segmenten) zu erstellen und diesen anschließend in der Gruppe zu präsentieren.

In der Gruppendiskussion werden dann die einzelnen Diagramme verglichen. Die Mädchen und Buben werden gebeten, auch eine Beurteilung ihres Wochen-Zeitplans vorzunehmen:

  • Bin ich zufrieden mit dieser Aufteilung?
  • Könnte ich mir eine andere Aufteilung vorstellen, wenn ja, welche?
  • Habe ich das Gefühl zu viel mit einem Elternteil (Papa/Mama) zusammen zu sein und zu wenig mit dem anderen?
  • In welchen Situationen wäre ich lieber mit dem anderen Elternteil zusammen?
  • Was hätte ich gerne überhaupt ganz anders?

Diese Übung kann auch die Vorarbeit zu einer weiteren Auseinandersetzungsübung sein, für die die Mädchen und Buben zunächst in getrennten Kleingruppen arbeiten:

»Unser Wunsch-Papa!«

Jede Kleingruppe bekommt einen großen Bogen Packpapier. Darauf wird der Umriss einer männlichen Gestalt gezeichnet: »Unser Wunsch-Papa!«

Dann überlegen die Mädchen/die Buben wie aus ihrer Sicht ein idealer Vater beschaffen sein müsste. Die einzelnen Ideen dazu werden zunächst – gut leserlich – auf Kärtchen geschrieben, danach sortiert und – wenn möglich – passend zu einzelnen Körperregionen auf dem Umrissplakat befestigt. (z.B.: »Ein idealer Vater ist zärtlich zu uns und schlägt nicht!« -> zu den Händen …)

Die fertigen Arbeiten werden dann gegenseitig präsentiert.

Achtung

Es ist erwartbar, dass in den Kindergruppen Mädchen und Buben sind, deren Eltern getrennt leben oder sich gerade in Trennung befinden. Viele Kinder wachsen heute auch mit Stiefvätern oder -müttern auf, wobei die Beziehungen zu ihren leiblichen Eltern von unterschiedlicher Qualität sein können. (Stief-)Väter werden auch immer wieder zu Gewalttätern gegenüber ihren Kindern.

All diese Situationen sind in der Vorbereitung der Arbeit mit den Mädchen und Buben zu berücksichtigen. Gerade eine angeleitete Auseinandersetzung in der Kindergruppe kann für Mädchen oder Buben Anlass dafür sein, über irritierende oder Angst machende Erlebnisse innerhalb der eigenen Familie zu berichten. Gruppenleiter(innen) sollten jedenfalls auf diese Situation gut vorbereitet sein. Hilfreich ist es jedenfalls die Gruppenarbeit zu zweit zu begleiten und im Anlassfall Kontakt zu einer vertrauenswürdigen professionellen Beratungseinrichtung aufzunehmen.